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Sekundäre Traumatisierung
werden krank, fühlen sich in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, verändern ihre Einstellungen gegenüber sich selbst, ihrer Mitwelt und gegenüber den Anforderungen, die an sie gestellt werden. Besonders betroffen sind laut einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK von 2011 Menschen in helfenden Berufen. Mit Johan Lansen gehe ich davon aus, dass das Konzept »Burnout« nicht weit genug greift, um die Folgen sekundärer Traumaexposition zu erfassen. »Natürlich kommt bei dieser Arbeit auch Burnout vor, wie in allen Berufen, in denen der menschliche Kontakt das Wichtigste ist [ …)]. Bei sekundärem traumatischem Stress handelt es sich um etwas anderes. Dabei zeigen sich sowohl Symptome, die zum Bild des posttraumatischen Stress gehören, als auch Veränderungen in der Persönlichkeit« (Lansen 2003, S. 273).
Berufsrisiko sekundäre Traumatisierung Die destruktive Vehemenz traumatischer Erfahrungen lässt niemanden unberührt, auch nicht die unterstützenden Berufsgruppen. Das Gefühl, sicher in sich und in der Welt zu sein, wird zumindest irritiert. Der Preis des professionellen sozialen Engagements kann sein, dass Bewältigungsmöglichkeiten von Kolleginnen überfordert und deren Grenzen durchlässig werden. Um die Folgen sekundärer Traumaexposition angemessen zu beschreiben, wurden in der Forschungsliteratur verschiedene Begriffe vorgeschlagen. Beth Hudnall Stamm spricht ebenso wie Johan Lansen von »sekundärem traumatischem Stress« (Stamm 2002) und schlägt vor, diesen als Teil eines umfassenden Stresskonzeptes zu verstehen. Charles R. Figley (Figley 2002) geht »davon aus, dass insbesondere durch Empathie mit traumatisierten Menschen und durch Exposition mit den berichteten extremen Erfahrungen eine Verfassung bei den Unterstützerinnen bewirkt werden kann, die er als Mitgefühlserschöpfung bezeichnet, und in deren Rahmen sich Symptome entwickeln können, die denen der posttraumatischen Belastungsstörung ähnlich sind. Mitgefühlserschöpfung und sekundärer traumatischer Stress sind in der Beschreibung Figleys als unterschiedliche Benennung des gleichen Prozesses zu verstehen« (Jegodtka 2013, S. 76). Laurie Anne Pearlman und Lisa McCann schlagen den Begriff der stellvertretenden oder indirekten Traumatisierung vor (Pearlman 2002). Sie gehen davon aus, »dass die kumulative Konfrontation mit den Folgen von man-made-disaster weitgehende Auswirkungen darauf hat, welche Überzeugungen ein Mensch in Bezug auf die Welt, das Selbst, den Sinn des Lebens usw. hat« (Jegodtka 2013, S. 76). Ich schließe mich in diesem Artikel der im deutschen Sprachraum verbreiteten synonymen Verwendung der Begriffe »sekundäre Traumatisierung« und »indirekte Traumatisierung« an.