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Raw Blame History

Literatur

Reflektiert die gegenwärtige Traumapädagogik die Strukturkategorie Gender? Eine kurze Bestandsaufnahme für den Kinder- und Jugendhilfebereich Christina Frank und Elke Peine

Kinder und Jugendliche, aber auch alle professionell tätigen Menschen in Jugendhilfe-Kontexten sind Teil einer geschlechterstrukturierenden und geschlechternormierenden Gesellschaft (Castro Varela 2004). Dabei gilt, dass Gender als wirkmächtige Kategorie immer auch in ihren Dependenzen zu weiteren strukturierenden und lebensgeschichtlich relevanten Kategorien wie class, race, ability etc. zu betrachten ist. Carol Hagemann-White (1984) spricht von einem »kulturellen System der Zweigeschlechtlichkeit« (Hageman-White 1984, S. 84; Anp. v. Verf.) und referiert damit auf ein binär ausgeprägtes, symbolisches System, welches durchweg als gängiges kulturelles Ordnungsprinzip fungiert und alle gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche durchdringt. Wir alle eignen uns tagtäglich Bilder und Normen an, die über Medien, unterschiedliche Institutionen und Organisationen, über Politik und nicht zuletzt innerfamiliär heteronormative und geschlechtstypisierende Körper-, Verhaltensinszenierungen und Interaktionen vermitteln (Herrmann 2005). Diese Vorstellungen von Geschlecht manifestieren sich bis in die Psyche hinein, und schon im Kindesalter bildet sich ein differentes Geschlechtskonzept aus (Nestvogel 2010). Durch die Möglichkeit der individuellen Ausgestaltung von Genderkonzeptionen, welche in wechselseitigem Rückwirken zur Gesellschaft stehen, ist diese Manifestation jedoch nicht als Einbahnstraße zu betrachten (Gildemeister 2010). In den letzten Jahrzehnten haben sich die Spielräume aller Geschlechter insbesondere für in westlichen Ländern lebende Menschen erweitert. Einem Teil der Bevölkerung stehen nun ungeahnte Entwicklungsfreiräume zur Verfügung, auch in Bezug auf das Ausleben der Geschlechtsidentität. Eine Reihe alltagsbestimmender kultureller Deutungsmuster und Normalitätsvorstellungen ist nun in ihrer Wirkmacht schwächer ausgeprägt (Keupp 2012). Auch in der Theoriebildung wird ausgehend von Judith Butler in »Das Unbehagen der Geschlechter« (Butler 1991) unter dem Stichwort Dekonstruktion die selbstverständliche, biologische und binäre Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit radikal infrage gestellt. Dennoch sind

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