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Äußere Eindrücke und innere Erwartungen

alltäglichen Situationen unter der Berücksichtigung der Dynamiken von Übertragung und Gegenreaktion anzuschauen, ermöglicht es, die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen über versorgende Beziehungsangebote zu entlasten. Hierbei ist eine Voraussetzung, dass Pädagog*innen ihre Gegenreaktionen erkennen und diese zu versorgen wissen, um dadurch in der Lage zu sein, ein korrigierendes Beziehungsangebot machen zu können.

Übertragungen finden immer und überall statt Kinder und Jugendliche, die in stationären, teilstationären oder ambulanten Einrichtungen betreut werden, übertragen frühere Beziehungserfahrungen und -inhalte auf aktuelle Beziehungen zu Pädagog*innen (Bausum et al. 2011, S. 8; Weiß 2013, S. 174; Lang et al. 2013, S. 87) und zu anderen Kindern und Jugendlichen in der Gruppe (Bausum 2009, S. 181; Bausum 2013, S. 177; Weiß 2024, S. 173; König 1998a, S. 11). Frühere Erfahrungen prägen die Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen gegenüber den Menschen in ihren aktuellen Beziehungen. Ihre Art und Weise, wie sie Glück, Anerkennung, Wut, Freude, Trauer und/oder Enttäuschung ausdrücken, ist maßgeblich davon geprägt, wie sie lernen konnten, diese Emotionen zu äußern. Kinder, die in den ersten Lebensjahren Vernachlässigung oder Gewalt erfahren mussten, erlebten Beziehungen als hochunsicher und unzuverlässig. Das Erleben dieser Beziehungen setzt sich in späteren Beziehungen und deren Dynamik unwillkürlich und unbewusst fort. BEISPIEL

Die oben kurz beschriebene Sequenz von Wolfgang ist keine Seltenheit. Immer wieder kommt es beim Mittagessen zu Situationen, in denen Wolfgang schnell andere Bewohner*innen bedroht, angreift und schreit.

Sigmund Freud spricht 1912 von einem »[…] Klischee (oder auch mehreren) welches im Laufe des Lebens regelmäßig wiederholt, neu abgedruckt wird […]« (Freud 1945, S. 365). Die Psychoanalytiker und Autoren Thomä und Kächele beschreiben: »Der gemeinsame Nenner für alle Übertragungsphänomene ist die Wiederholung, die sich im Leben wie in der Therapie anscheinend spontan einstellt« (Thomä/Kächele 2006, S. 54). Die Autoren betonen im Weiteren, dass Übertragungen immer einen realen Anteil in sich tragen, der zum einen in der biografischen Geschichte und zum anderen im Hier und Jetzt verankert ist. »Die Spontanität ihres Auftretens erweist sich genauer besehen als bedingt durch unbewußte innere Erwartungen und ihre äußeren Auslöser« (Thomä/Kächele 2006, S. 55).