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Raw Blame History

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Zur Eingrenzung der psychosozialen Katastrophe
Ohnmacht kompensiert und die Person dadurch weniger Opfer (vgl. Becker
1992, Andreatta 2015).
Mit Herman (2006) kann noch ein sozialpsychologischer Aspekt zur Scham der
Opfer ergänzt werden. Nicht nur das Opfer selbst, sondern auch andere unbeteiligte Personen nutzen zur Rechtfertigung des Unfassbaren Erklärungen, die dem
Opfer selbst die Provokation der ihm widerfahrenen Gewalt und Beschämung zuschreiben. Das blaming the victim ist oft auch ein shaming the victim: Was für
ein Mensch lässt sein Kind schon abends allein in diesem Aufzug durch die Gassen?
Was für eine Frau bleibt schon bei so einem gewalttätigen Mann? Sozialpsychologisch betrachtet müssten auch Formen stellvertretender Scham erwogen werden,
etwa wenn vor dem Hintergrund von Abhängigkeitsbeziehungen (z. B. in Partnerschaften), das gewalttätige Verhalten der Beziehungspartnerin/des Beziehungspartners gerechtfertigt und das Opfer auf diese Weise einen Reparationsversuch
entstandener Verwundungen unternimmt (Lickel at al. 2005).
Analog zur »Überlebendenschuld«4 (Hirsch 2014)würden wir darüber hinaus, an
eine (ggf. transgenerational vererbbare) Überlebendenscham denken: Wer Krieg
und Verfolgung, wer Missbrauch und Gewalt überlebt, die andere nicht überleben
konnten, oder wer von der Gewalt weniger adressiert oder in Mitleidenschaft
gezogen wurde als andere, die es härter traf man denke beispielsweise an Geschwister in belasteten Familien , kann sich für diesen Umstand schämen. Dies
träfe in jedem Fall auch für die Zwölfjährige in der einleitend erzählten Geschichte zu.
Zur Eingrenzung der psychosozialen Katastrophe
Überlegungen zu einer traumapädagogischen Haltung
der Schamsensibilität
Was ist dir das Menschlichste?
Jemandem Scham ersparen. (Friedrich Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft)
Wie wäre nun jemandem die schmerzliche Verwerfung und »psychosoziale Katastrophe« der Scham (im Sinne Tiedemanns 2019, S. 41) zu ersparen? Ihre vielfältigen Masken und ihre dysfunktionalen bis destruktiven Abwehrformen stimmen
4
Es scheint uns zulässig diesen Begriff von Hirsch (2014) auf die Scham zu übertragen, zumal
Scham und Schuld ohnehin engstens verknüpft und teilweise ununterscheidbar sind bzw. eine
Unterscheidung im Einzelfall oft nicht zielführend ist. Vielfach sind in der Literatur bei Formulierungen von traumatischer Schuld, Scham und Beschämung implizit mitgemeint (vgl. Andreatta 2015).
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