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Raw Blame History

Zur Psychodynamik von Scham

Kindes: »Nach außen hin beugt es sich den Normen, gibt vor sie zu erfüllen, […]. Bei sich selbst aber weiß es, daß es dem vorgegebenen Bild nicht entsprechen kann oder will, und es hält die dunklen, nicht-genügenden Seiten seiner selbst vor den Eltern und anderen […] verborgen« (Schüttauf 2008, S. 852). Erst durch diese konstitutive Differenz wird das Subjekt zur Person.

  1. Enthüllung Das Moment der Enthüllung markiert das Einsetzen des Schamgeschehens im engeren Sinne. Ihr ist zeitlich und logisch ein Zustand des Verhülltseins oder eine Handlung des Verhüllens vorausgegangen. »Die Enthüllung macht mit einem Schlag sein Ungenügen und seine Täuschung vor dem richtenden Auge des anderen offenbar« (Schüttauf 2008, S. 845). Vom »entblößenden« Blick des anderen kann sich der Beschämte »durchbohrt« fühlen, kann sich gewissermaßen »bis auf die Knochen« schämen und diese Ausdrücke deuten »auf die Verletzung der anatomischen Grenze und Schranke Haut« sowie wie auf die Funktion der Scham hin, einen psychischen Raum vor dem Eindringen fremder Blicke zu bewahren (Tiedemann 2019, S. 39). Im Einzelfall können ein Blick oder ein Wort reichen, um diese Enthüllung in Gang zu setzen. Zudem ist Scham, wie Pfaller (2022) zeigt, mit einer fantasierten Beobachtungsinstanz, einem psychodynamisch wirksamen »naiven inneren Beobachter« verknüpft, der für alle erwachsenen Mitglieder einer Kultur mehr oder weniger derselbe ist (S. 63ff.). Das bedeutet, dass das Erleben von Scham nicht zwingend an real anwesende andere und deren Blicke gebunden ist, sondern durch verinnerlichte Beziehungen (Objektrepräsentanzen) mitbedingt wird.

  2. Verwerfung Durch die Enthüllung entsteht die Fantasie »verworfen, in den Augen der anderen vernichtet zu sein. Dies ist der tiefe, oft unauslöschliche Schmerz der Scham« (Schüttauf 2008, S. 845). Das Subjekt der Scham erlebt sich für immer vertrieben aus dem Eingebundensein in bestimmte, oder im Extremfall, alle sozialen Beziehun­ gen. Dabei werden die Anderen unbewusst mit ebenso viel Macht ausgestattet, wie früheste Bezugspersonen sie tatsächlich hatten. Folgender Abschnitt bei Tiedemann (2019, S. 41) bringt diesen Aspekt auf den Punkt: »Scham ist […] jener Affekt, der die Bedrohung der sozialen Bande und der Integrität des Selbst anzeigt. Das Selbst wird hier als ein Selbst vor anderen definiert. Das Gefühl des Selbst bleibt somit immer durch das Risiko der Auflösung bedroht, wenn das Individuum durch wichtige Bezugspersonen oder später durch die Gemeinschaft zurückgewiesen wird. Mit jedem Schamerlebnis geht

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