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Scham und Beschämung mit Blick auf Trauma
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Scham und Beschämung bringen nicht nur Momente großen Unbehagens,
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sondern sie können die unsichtbare Struktur ganzer Biografien bilden. In trauma
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pädagogischen Kontexten finden sich viele Lebensgeschichten, die von Schmerz,
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Verachtung, traumatischer Scham sowie demütigenden Würde- und Grenzverletzungen durchzogen sind.
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Im Folgenden sei zunächst ein breiter Bogen gespannt, beginnend bei der
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Scham als konstitutives Element für Subjektivität hin zu kulturellen, historischen
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und aktuellen gesellschaftlichen Dimensionen der Scham, die auch immer im genuinen Interessensfeld der Traumapädagogik liegen. Weiter wird die Psychodynamik der Scham des Individuums beleuchtet, um dann den Zusammenhang von
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Trauma und Scham in den Blick zu nehmen. Der Beitrag wird abgerundet mit
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Überlegungen zu einer schamsensiblen, traumapädagogischen Haltung, von denen Bemühungen zur Linderung von schambedingten Verletzungen ausgehen
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können.
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Scham als spezifisch menschliche Eigentümlichkeit
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Die durch unsere Existenz in einer menschlichen Gemeinschaft entstandene Umhüllung der hässlichen Faktizität »nackten Lebens« (Agamben 2002), eines »Klumpen, der nicht abgetrieben wurde« (Pynchon 1961, S. 385), können wir als Scham
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begreifen, die auch ihrem althochdeutschen Wortstamm nach Bedeutungen des
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Verbergens, Verhüllens und Zudeckens trägt (vgl. Kluge 2002). Scham kann als
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»unsichtbare und feinstoffliche Grenze beschrieben werden« (Munz 2009, S. 134),
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die »den Menschenleib sphärenhaft umhüllt« (Scheler 1957, S. 87), die physische
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Integrität des Selbst schützt und dem Ich Kontur verleiht, die »Haut der Seele«
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(Nietzsche zit. n. Planckh 1999, S. 232). Bei Verletzung dieser schützenden Hülle
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oder Grenze schämen wir uns; aber die Reduktion von Scham auf einen Affekt
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oder Gefühlszustand würde ihrer konstitutiven Funktion für unser Selbst- und
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Weltverhältnis nicht gerecht. Im weitesten Sinne verstanden ist Scham als Anthropinon, als spezifisch menschliche Eigentümlichkeit, aufs Engste mit der Menschenwürde verknüpft und darüber hinaus nicht scharf vom Begriff der persona zu
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trennen, nach Jung (1928) jenem »Kompromiss zwischen Individuum und Sozietät über das ›als was einer erscheint‹« (S. 48), die für andere sichtbare, soziale Rolle. Scham sozialisiert uns aus dem Bereich des nackten Lebens heraus.
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Dazu passend nennt Wurmser (1998) sein vielzitiertes Werk »Die Maske der
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Scham«, wobei der Titel zweideutig bleibt, insofern die Scham als Begriff sowohl
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das Verhüllende (den Schutz, die Maskierung) als auch das Verhüllte (das Beschützte, den Intimbereich) bezeichnen kann. Angesichts dieser grundsätzlichen
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Verwobenheit der Scham mit menschlicher Vergesellschaftung muss es nicht verwundern, dass sie in der, auf Erkenntnissen der evolutionären Psychologie basie-
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