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Die Pädagogik der Selbstbemächtigung
(Weiß 2003, S. 130). »Wir sind alle ExpertInnen für herausfordernde Lebensumstände, weil wir viel wissen über das Überleben, Regulationsmechanismen und gute
Pädagogik. […] Der Begriff traumatisierte Menschen reduziert Menschen auf ihr
Leid; wenn wir stattdessen von Menschen aus herausfordernden Lebenssituationen
sprechen, fokussieren wir unsere Kraft.« (Andrade 2020, S. 39f., kursive H. i. O. =
steht für Aussagen der Expert*innen). Wir, die Fachmenschen die nicht selten
genug auch Expert*innen in obigem Sinne sind , stellen Wissen und Unterstützung für die Traumabewältigung zur Verfügung; sie, die Mädchen* und Jungen*,
wissen aus ihrem Erleben, wie traumatischer Stress funktioniert. Sie haben oft Regulationsmechanismen entwickelt, die nicht unbedingt fremd- oder selbstschädigend sind. Reddemann schlägt vor, »unbeirrbar an der Idee festzuhalten, dass
Menschen, wie beschädigt sie auch sein mögen, in sich sehr viel mehr Weisheit
und Wissen über sich selbst haben, mehr jedenfalls als wir als anderer Mensch je
für ihn oder für sie haben könnten; […]« (Reddemann 2015, S. 224). Die Anerkennung der Expert*innenschaft erfordert eine sorgfältige Balance der Verantwortungsübernahme, letztlich eine höhere pädagogische Präsenz. Im pädagogischen Alltag ist die Umsetzung nicht immer einfach: »Wir glauben, dass es für
manche Profis gar nicht so leicht ist, das Konzept anzuwenden, weil es oft ziemlich
schwer ist, sich ständig hinterfragen zu lassen und miteinander zu diskutieren. […]
Wir denken, dass viele Profis gar nicht wirklich daran glauben, dass wir stark sind.
Und manchmal denken wir auch, dass Profis zu oft und zu viel durch die Diagnose-Brille schauen, anstatt nach dem guten Grund zu fragen. Es war für manche Fachkräfte oft schwierig, unser Wissen und unsere Meinung anzunehmen, weil sie sich als
Fachkraft angegriffen fühlten, sie konnten sich nicht emotional abgrenzen.« (Andrade 2020, S. 36ff., kursive H. i. O. = steht für Aussagen der Expert*innen). Die Unterstützung der Expert*innenschaft bedeutet auch, Fachwissen für Verstehensund Wiederaneignungsprozesse bereitzustellen und erfordert die konsequente
Verwirklichung von Partizipation.
Verstehensprozesse und Wiederaneignungsprozesse
unterstützen
Verstanden werden ist der Boden. Der nächste Schritt das Selbstverstehen
führt zu einer höheren inneren Handlungssicherheit. »Also ich denke, wenn ich
dann alles verstehe und weiß, wann es anfängt und mich besser einschätzen kann,
dann wird es auf jeden Fall einfacher sein. Wenn dann z. B. ein Konflikt ist kann ich
anders handeln. Dann komme ich weiter im Leben und komme mit anderen Menschen besser zurecht.« So die Teilnehmerin eines Workshops für Expertinnen im
AWZ über Stress. (Sauer 2016, S. 50, kursive H. i. O. = steht für Aussagen der Expert*innen. Das Wissen um die Dynamiken traumatischer Erfahrungen wie die