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Das dialogische Prinzip
Das dialogische Prinzip
Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat diese Frage in seinem Entwurf
des dialogischen Prinzips, das in der personalen Pädagogik weiterentwickelt wurde, eindeutig beantwortet: »Das erzieherische Verhältnis ist ein rein dialogisches«
(Buber 1925/2005a, S. 40). Aus seiner Sicht ist es Auftrag der Pädagog*innen, von
der Ich-Es-Ebene zu einer Ich-Du-Beziehung zu kommen, um eine pädagogische
»Vergegnung« (Buber 1978, S. 10f.) zu verhindern und eine pädagogische Begegnung zu gestalten (Saalfrank 2009, S. 43). Erst in der Abkehr von einem biologistisch-medizinischen Verständnis von Behinderung hin zu einer konsequenten
Orientierung an Begegnung und Beziehung bekommt die Heil- und Behindertenpädagogik so einen glaubhaften emanzipatorischen Charakter in diesem Sinne:
»Bubers bedingungsloses Plädoyer für das Subjekt und die Subjektivität und
damit gegen die Reifizierung [= Verdinglichung, Anm. d. Autor*innen] des Menschen, wie sie leider gerade im Bereich der diagnostischen Heilpädagogik noch
immer betrieben wird, halte ich in Bezug auf die pädagogische Relevanz seiner
Philosophie für zentral. […] Entsteht Subjektivität in der Interaktion, sind Menschen mit gestörter oder verstörter Subjektivität Produkte gestörter Interaktionsprozesse. Dies hat sowohl Auswirkungen auf die Sicht von Behinderung als
auch auf den zwischenmenschlichen Umgang mit Behinderten« (Vierheilig
1996, S. 61).
Eine verbindliche pädagogische Subjektorientierung im Sinne einer dialogischen
Erziehung nach Buber vollzieht sich demnach immer in einer sich gegenseitig bedingenden Wechselwirkung: Ein Kind entwickelt sich durch die Orientierung an
der Pädagog*in, und diese erlebt persönliche Entwicklung durch die Orientierung
am Kind (Saalfrank 2009, S. 44). In diesem Sinne verbietet es sich also, das pädagogische Handeln eindimensional an den Defiziten und Auffälligkeiten des Kindes
zu orientieren, sondern ist als gegenseitiger Austauschprozess zwischen Kind und
Pädagog*in auf Augenhöhe zu verstehen:
»Betrachtest du den Einzelnen an sich, dann siehst du vom Menschen gleichsam
nur so viel wie wir vom Mond sehen; erst der Mensch mit dem Menschen ist ein
rundes Bild. […] Betrachte den Menschen mit dem Menschen, und du siehst jeweils die dynamische Zweiheit, die das Menschenwesen ist, zusammen« (Buber
1943/2007, S. 169).
Kommt es zu konflikthaften Begegnungen zwischen Kind und Pädagog*in, ist
demnach die intrapersonelle Dynamik zu analysieren, in der die individuellen Bedingtheiten von Kind und Pädagog*in zum Ausdruck kommen und nicht eine
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