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Raw Blame History

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Behindertenpädagogik

Behindertenpädagogik Die Lehre vom »Anderssein«, eine zentrale wissenschaftliche Wurzel der Traumapädagogik Martin Kühn und Julia Bialek

Der Mensch wird am Du zum Ich. (Martin Buber 1923/2016, S. 28) Der Mensch wird zu dem Ich, dessen Du wir ihm sind. (Georg Feuser 1998, S. 5)

Einleitung Auf die Frage in einer Filmdokumentation »David, bist du behindert?«, antwortet ein junger Mann mit Trisomie 21, der sich selber in keinster Weise mit Behindertsein identifizieren würde: »Nein! […] Anders ist anders. So viel weiß ich darüber. Anders ist schwer« (Codina 2009, o. S.). In dieser kurzen Filmsequenz kommt somit eine bis heute zu beobachtende Diskrepanz zwischen Heil- und Behindertenpädagogik als Untergruppen der Erziehungswissenschaften und den Zielgruppen ihres Interesses, Menschen mit Behinderungen, zur Sprache: Der Förder- und Behandlungsanspruch, der sich aus der wissenschaftlichen Theorie ableitet, entspricht häufig in keinster Weise dem Selbstverständnis der Betroffenen. Gelingt es in päda­ gogischen Arbeitsfeldern nicht, das Selbst- und Weltbild von einzelnen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen mit Behinderung in die fachliche Prozessplanung mit einzubeziehen, wird diese zu einem Machtinstrument, das die Autonomieentwicklung des Individuums beeinträchtigt. In diesem Fall entmündigt diese die betroffene Person erneut und kann somit, trotz des Anspruchs von Hilfe, zu real erlebter Gewalt werden: »Geistige Behinderung bedeutet innerhalb unterschiedlicher gesellschaftlicher Felder jeweils an den Pol der Ohnmacht gedrängt zu werden« (Jantzen 1999/2010, o. S.) für den Preis erhöhter Vulnerabilität , während selbst die rangniedrigsten Professionellen sich am Pol der Macht befinden. Dies endet in der zu klärenden Frage: Versteht sich Pädagogik als Gestaltung von Entwicklungsräumen für die individuelle Persönlichkeit oder ist sie als Postulat und Vermittlung behandlungsorientierter und verhaltensmodifizierender Techniken zu verstehen? Oder verfolgt sie Prozesse zur Annäherung an eine implizit oder explizit angenommene gesellschaftliche Normalität, an die sich Einzelne anpassen sollen?