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Ingrid Schwarz / Christoph Weinmann
„Gewalt im Spiel?“ - Psychodramatische Gruppentherapie für Mädchen
und Jungen mit Erfahrungen von Gewalt zwischen ihren Eltern
Einleitung
Das Kinderschutz-Zentrum Stuttgart bietet seit April 2004 - in enger Kooperation mit der Fraueninterventionsstelle und dem Allgemeinen Sozialdienst des
Jugendamtes - Kindern, die Gewalt zwischen ihren Eltern erlebt haben, eine
eigene Ansprechperson an. Nach Polizeieinsatz und Platzverweis des Vaters24
bekommen sie die Möglichkeit, mit einer unabhängigen Person zu sprechen,
die sich speziell nur für die Situation der Kinder interessiert.
Aus den Erfahrungen mit vielen Einzelgesprächen und Beratungen (45
Kinder, Stand Juli 2005) entwickelten wir in der Zwischenzeit zusätzlich eine
Konzeption für ein therapeutisches Gruppenangebot. Wir wollen in diesem
Artikel die Leitgedanken und Ziele für eine entsprechende Kindergruppe
vorstellen, ebenso wie das methodische Vorgehen und unsere Erfahrungen
mit der ersten Kindergruppe, die im Dezember 2004 begonnen hat und im
Juni 2005 abgeschlossen wurde.
Zusammensetzung der Gruppe
Da Mutter und Vater in der gewalteskalierenden Krisensituation sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, bleibt für die Bedürfnisse und Bedürftigkeit der Kinder in dieser Phase wenig Energie und Kraft. Sie geraten
leicht aus dem Blick der Eltern.
Das war der Hintergrund dafür, dass wir nur für eine kleine Anzahl von
Kindern dieses Gruppenangebot durchführen wollten. Damit sie von uns
ausreichend genug Zuwendung und Aufmerksamkeit erfahren konnten,
wählten wir für die Gruppe vier Kinder. Mit vier „Geschwisterkindern“ (zwei
Mädchen, zwei Jungen) und einem „Elternpaar“, den Therapeuten (Mann
und Frau) wollten wir eine familienähnliche Konstellation herstellen. Die gemischtgeschlechtliche Zusammensetzung der Kindergruppe hat den Vorteil,
dass beide, Mädchen wie Jungen sich jeweils vom anderen Geschlecht inspirieren und anregen lassen. In der wechselseitigen Identifikation partizipieren
Jungen eher von dem Bedürfnis der Mädchen nach Nähe und Geborgenheit
24 In unserem Projekt hatten wir bisher ausschließlich mit der Wegweisung von Männern zu
tun.