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Herausforderungen an die soziale und pädagogische Arbeit
eingenommen und gegenüber den anderen Mädchen und Jungen behauptet werden muss. „Verantwortung“ gegenüber Geschwistern, anderen Mädchen und Jungen im Haus, aber auch gegenüber der Mutter, bildet ein weiteres Thema, das emotional stark besetzt ist und Überforderungen auf Seiten der Jungen bewirken kann. So wird einerseits an ihr Alter und ihre größere Vernunft appelliert, andererseits aber auch Bezug auf ihre Männlichkeit genommen, wenn davon ausgegangen wird, dass sie z. B. auf kleinere Kinder achten, die Familiensicherheit gewährleisten oder sich in Auseinandersetzungen mit anderen durchsetzen sollen, oder wenn Entscheidungen von ihnen verlangt werden, die sie überfordern, weil ihnen zu früh zu viel abverlangt wird. So schleichen sich mitunter auch traditionelle Geschlechterverhältnisse ein, wenn selbstverständlich erwartet wird, dass die älteren Jungen technische Reparaturen vorzunehmen haben oder aber in gefährlichen bzw. ängstigenden Situationen vorgeschickt werden. Die Tatsache, dass Männer keinen Zutritt ins Haus haben, bedingt, dass die männlichen Jugendlichen aufgrund ihres Geschlechts und Alters auch lernen müssen, Distanz zu den Frauen zu halten. Gleichzeitig achten sie darauf, nicht mehr nur als Kinder behandelt zu werden, sondern ringen auch um die Anerkennung als angehende Männer, wobei sie sich gegen eine Männlichkeit abgrenzen müssen, die sie bisher als überwiegend gewalttätig erlebt haben. All dies erfordert große Anstrengungen und Anpassungsleistungen, die ohne angemessene Hilfestellung nur schwerlich zu bewältigen sind. „ Ja, das ist schon ein bisschen komisch am Anfang. Da es ja irgendwie nur Frauen waren und sonst nur kleine Kinder und keine Männer weit und breit. Oder es wurde schon ein großer Rummel gemacht, wenn ein Mann vor der Tür stand. Alle gucken, was ist los“ (Interviewauszug mit dem Jugendlichen Mike in Kock/Stegen in frauen helfen frauen e.V. 2000: 200).
Sich den Frauenhausmitarbeiterinnen anzuvertrauen, Unterstützung bei Überforderungen, Ängsten und Problemen einzuholen, fällt den männlichen Jugendlichen nicht leicht, denn auch die Mitarbeiterinnen sind trotz ihrer Autorität, die sie im Haus darstellen, letztlich „nur“ Frauen. Wenn diese dann auch noch „nerven“, weil sie mit bestimmten Verhaltensweisen der Jugendlichen nicht einverstanden sind, gar ihr „Mackerverhalten“ kritisieren, nur bedingt Interesse für die Freizeitgestaltungen der männlichen Jugendlichen aufbringen können, oder die Jungen sich aufgrund unangemessener bzw. mangelnder pädagogischer Angebote langweilen, zeigt sich, dass die Bedingungen im Frauenhaus für die männlichen Jugendlichen nicht optimal sind. Abhilfe, Unterstützung und neue „Möglichkeitsräume“, die in der Adoleszenz wichtige Voraussetzung für die Individuation und die Festigung der Geschlechtsidentität sind, müssen dann durch zusätzliche Angebote, auch