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Der Blick der Forschung
Erlebten von zentraler Bedeutung sind. Im Folgenden werde ich auf der Basis der bereits erwähnten Studie den Aspekt der informellen und formellen Unterstützung aus Sicht der befragten Kinder und Jugendlichen entfalten.
Forschungsdesign und Methode Im deutschsprachigen Raum ist - wie gezeigt wurde - noch wenig über die Situation von Kindern und Jugendlichen bekannt, die im Kontext von häuslicher Gewalt aufwachsen. Noch weniger erforscht ist die Sichtweise der allgemeinen Population von Kindern und Jugendlichen zu diesem Thema. Das im Folgenden vorgestellte Forschungsprojekt ist also in doppelter Hinsicht innovativ, nicht nur greift es das Thema aus Kindersicht auf, es ergänzt die mehrheitlich viktimologisch und klinisch orientierte Studien und untersucht häusliche Gewalt aus soziologischer Perspektive. Während sich die meisten Untersuchungen zum Zusammenhang von häuslicher Gewalt und Kindheit bislang auf Einschätzungen von Erwachsenen stützen, werden Kinder und Jugendliche in unserer Studie als kompetente Informanten und ExpertInnen in Sachen „Aufwachsen im Kontext von häuslicher Gewalt“ betrachtet. Im Unterschied zur in Forschung und Praxis verbreiteten Konzeption, Kinder seien „unwissende“ und „passive“ Opfer, positioniert diese Studie Kinder als aktiv handelnde Subjekte oder um den Ausdruck von Hurrelmann zu gebrauchen „als produktive Verarbeiter von Realität“ (Hurrelmann & Bründel 2003). Nicht nur in der Forschung zu häuslicher Gewalt, sondern auch in der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung ist dies eine relativ neue Perspektive, die darüber hinaus Anschlussmöglichkeiten an die Kinderrechtsbewegung bietet. Nicht ganz neu ist die Entdeckung von Kindern und Jugendlichen durch die Surveyforschung, wie etwa die Tradition der deutschen Kindheitssurveys zeigt (Zinnecker 1996), jedoch legte diese bislang keine Ergebnisse zu häuslicher Gewalt vor. Im Folgenden werde ich erste Ergebnisse einer noch laufenden Untersuchung vorstellen, die zum Ziel hat, auf der Basis von quantitativen und qualitativen Daten neue Erkenntnisse zum Verständnis von Kindern und Jugendlichen zu häuslicher Gewalt zu generieren, die Bedürfnislage von Kindern und Jugendlichen zu eruieren und Klarheit darüber zu gewinnen, inwieweit soziale Netze und Professionelle als Hilfsmöglichkeiten oder als Barrieren wahrgenommen werden. Das Forschungsdesign knüpft an eine englische Studie an, die Mullender, Hague, Imam, Kelly, Malos & Regan (2002) durchführten und die erstmals die allgemeine Population von SchülerInnen zu häuslicher Gewalt befragten. Für die schriftliche Befragung der 9 bis 17 Jährigen wurden zwei altersangepasste Fragebogen eingesetzt, die auf dem englischen Instrument basieren, aber für den Einsatz in der Schweiz nicht nur adaptiert, sondern auch um einige Fragen erweitert wurden. Erste komparative Analysen liegen bereits vor (Seith et al. 2005).