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Theoriegeleitetes Fallverstehen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 242](/book/arbeit/242)): Nutze wissenschaftliche Theorien als «Scheinwerfer» zur Beleuchtung der Fallthematik. Wähle mindestens 2 Theorien, leite erklärende Weil-Hypothesen ab und verdichte diese zu einer handlungsleitenden Wenn-Dann-Arbeitshypothese ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 245](/book/arbeit/245)). EPG-Bewertung: max. 9 Punkte.
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### Zentrale Prinzipien
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- **Erhellen und Verstehen:** Diagnose beantwortet die Frage «Warum ist die Situation so, wie sie ist?» — im Unterschied zur Analyse (Was ist?) geht es jetzt um Ursachen und Zusammenhänge ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 232](/book/arbeit/232)).
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- **Hypothesencharakter:** Diagnosen sind wissensbasierte Deutungen von Wirklichkeit, deren Richtigkeit offen bleibt. Sie werden im Verlauf überprüft und weiterentwickelt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 235](/book/arbeit/235)).
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- **Partizipative Orientierung:** Fachliche Deutungen werden in den Aushandlungsprozess mit dem Klient*innensystem eingebracht und dialogisch validiert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 247](/book/arbeit/247)).
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- **Handlungsleitend:** Jede Diagnose hat eine handlungsleitende und prognostische Funktion — sie soll Antworten auf die Frage «Was ist zu tun?» liefern ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 234](/book/arbeit/234)).
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### Vorgehen: Theoriegeleitetes Fallverstehen in 5 Schritten
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1. **Wahl geeigneter Wissensbestände** — Grundsätzlich kommen alle Theorien der Sozialen Arbeit und ihrer Nachbardisziplinen in Frage: Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Psychiatrie, Recht ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 242](/book/arbeit/242)).
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2. **Theoriegeleitete Fallüberlegungen** — Relationierung von Theorie und Fall: Die Theorie als «Scheinwerfer» auf die Fallthematik richten und konkrete, fallbezogene Überlegungen anstellen.
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3. **Erklärende Hypothesen** — Fokussierung der Erklärungen als Weil-Hypothesen: «Weil [Theoriebezug], [Auswirkung auf Fallthematik]» ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 253](/book/arbeit/253)).
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4. **Handlungsleitende Arbeitshypothese** — Blickwechsel: zurückschauend auf Erklärungen, vorausblickend auf die Zielrichtung. Formulierung als Wenn-Dann-Hypothese ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 245](/book/arbeit/245)).
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5. **Folgerungen für Professionelle** — Brücke zur Interventionsplanung: Was ergibt sich aus der Diagnose für die professionelle Arbeit?
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### Theorie-Auswahl: Mögliche Wissensbestände
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- **Entwicklungspsychologie** — z. B. Erikson (psychosoziale Entwicklung), Piaget (kognitive Entwicklung), Havighurst (Entwicklungsaufgaben)
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- **Bindungstheorie** — z. B. Bowlby, Ainsworth (Bindungsmuster und -störungen)
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- **Lebensbewältigungskonzept** — z. B. Böhnisch (Bewältigungsstrategien in prekären Lebenslagen), Fallbeispiel im ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 249](/book/arbeit/249))
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- **Kommunikationstheorie** — z. B. Watzlawick (Axiome), Schulz von Thun (Kommunikationsquadrat)
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- **Systemische Perspektive** — z. B. Bronfenbrenner (ökologische Systemtheorie), Minuchin
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- **Soziale Ungleichheit / Benachteiligung** — z. B. Bourdieu (Kapitalarten), Intersektionalität
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- **Resilienz** — z. B. Werner, Welter-Enderlin (Schutz- und Risikofaktoren)
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- **Medizinische/psychiatrische Perspektive** — z. B. ICF, bio-psycho-soziales Modell
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- **Rechtliche Perspektive** — z. B. Kindesschutz, KESB, Erwachsenenschutzrecht
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### Tipps zur Hypothesenformulierung
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**Erklärende Hypothesen (Weil-Hypothesen):**
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- Stellen Wirkungszusammenhänge her zwischen Elementen der Ausstattung, Bedingungen und Vorkommnissen ([Praxis, S. 113](/book/praxis/113)).
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- Müssen nachvollziehbar aus den theoretischen Ausführungen abgeleitet sein.
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- Haben stets Bezug zur Fallthematik — erklären Aspekte davon.
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- Bespreche sie mit dem Klient*innensystem: Werden sie als hilfreich beurteilt?
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**Handlungsleitende Arbeitshypothese (Wenn-Dann-Hypothese):**
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- Verdichtet die ergiebigsten erklärenden Hypothesen beider Theorien.
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- Formal: «Wenn [Intervention/Veränderung], dann [erwartetes Ergebnis für das Klient*innensystem].»
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- Fällt in die Kategorie nomopragmatischer Hypothesen nach Staub-Bernasconi ([Praxis, S. 114](/book/praxis/114)).
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- Bildet die direkte Brücke zur Handlungsphase (Zielsetzung und Interventionsplanung).
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- Validiere sie gemeinsam mit dem Klient*innensystem — kooperatives Fallverstehen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 247](/book/arbeit/247)).
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### Kooperatives Fallverstehen
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Ist ein dialogischer Verständigungsprozess während der Diagnose möglich, so ist es wichtig, dass die vom Klient*innensystem als hilfreich beurteilten Erklärungen in die Arbeitshypothese aufgenommen werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 247](/book/arbeit/247)). Neben dem Fremdverstehen (Expertenperspektive) soll auch dem Selbstverstehen (Klient*innenperspektive) Raum gegeben werden ([Praxis, S. 114](/book/praxis/114)).
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### EPG-Checkliste (max. 9 Punkte)
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- [ ] Theorieauswahl: 2 Theorien passend zur Fallthematik gewählt und Wahl jeweils nachvollziehbar begründet (je 1.5 P. → 3 P.)
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- [ ] Theoriegeleitete Fallüberlegungen: korrekt, konkret auf den Fall bezogen und nachvollziehbar (3 P.)
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- [ ] Erklärende Hypothesen: als Weil-Hypothesen formuliert, nachvollziehbar aus Theorien abgeleitet, mit Bezug zur Fallthematik (1.5 P.)
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- [ ] Arbeitshypothese: als Wenn-Dann-Hypothese formuliert, nachvollziehbar abgeleitet (1.5 P.)
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- [ ] Kooperatives Fallverstehen: Wurde die Perspektive des Klient*innensystems einbezogen?
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