3.2 KiB
6.6 Prävention und Resilienzförderung
tensauffälligkeiten zu verhindern. Exemplarisch seien hier die Forderungen von Kleiber und Meixner (2000) sowie Scheithauer und Petermann (2004) angeführt: »Mit dem Nachweis, dass langfristig persistierendes, antisoziales Verhalten vielfach in der frühen Kindheit seinen Ausgang nimmt, ist zugleich das Primat primärpräventiver Maßnahmen gegenüber späteren Interventionsmaßnahmen begründet« (Kleiber & Meixner 2000, S. 200 f; vgl. ebenso Essau & Conradt 2004, S. 176). »Aggressiv dissoziales Verhalten ist dann am besten behandelbar, wenn erst wenige differenzierte Verhaltensweisen vorliegen und die Betroffenen noch relativ jung sind« (Scheithauer & Petermann 2004, S. 402; vgl. auch: Hanisch et al. 2006a, Beelmann 2006). In den Gesundheitswissenschaften wird neben der Notwendigkeit der Prävention, also dem Grundprinzip, Krankheitsrisiken zu vermeiden oder abzubauen, der Gesundheitsförderung ein zentraler Stellenwert gegeben. Dabei geht es darum, gesundheitliche Ressourcen und Lebensweisen zu stärken und aufzubauen. Nach der Ottawa-Charta der WHO wird dies durch die Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten, Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen, die Entwicklung allgemein persönlicher Kompetenzen sowie die Vernetzung von Diensten und eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik erfolgen. So setzt die »Gesundheitsförderung vor allem auf die Stärkung und den Aufbau von Ressourcen, um damit Gesundheit auch in ihrer positiven Ausprägung zu fördern« (Faltermaier 2005, S. 299). In der Praxis fallen die Ziele von Prävention und Gesundheitsförderung und auch die entsprechenden Maßnahmen in vielfältiger Weise zusammen. Mittlerweile liegt eine Vielzahl von Programmen zur Prävention und Gesundheitsförderung vor, ein ausführlicher Überblick findet sich bei Fröhlich-Gildhoff (2013). Diese Programme lassen sich grundsätzlich unterscheiden in a) Programme, die der allgemeinen Entwicklungsförderung dienen, die Bewältigungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen verbessern, ausgewiesene (personale) Schutzfaktoren verbessern und Risikofaktoren mindern (sogenannte »universelle Programme« nach der Einteilung von Munoz et al. 1996). b) spezifische Programme, die zur Prävention von bestimmten Verhaltensauffälligkeiten – zum Beispiel gewalttätigem Verhalten – dienen. Diese lassen sich nochmals unterscheiden in »Selektive Programme«, die sich »auf Individuen oder Subgruppen mit erhöhtem Risiko für die zukünftige Entwicklung einer psychischen Störung« beschränken (Heinrichs et al. 2006, S. 83) und »Indizierte Programme«, die auf Individuen abzielen, die (erste) Symptome einer psychischen Störung zeigen, jedoch »noch nicht die Kriterien einer psychischen Störung vollständig erfüllen« (ebd., S. 84). Daneben lassen sich die Programme nochmals hinsichtlich der Zielgruppen unterscheiden; vor allem in solche, die die Kinder direkt erreichen sollen, solche, die sich an die Eltern richten und solche, die sowohl Eltern als auch Kinder als Zielgruppe haben. Da auf die Elternkurse in Kapitel 6.5.2 eingegangen wurde, wird im Folgenden der Schwerpunkt auf die Programme mit Kindern gelegt.
287