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6.5 Der Blick über das Individuum hinaus
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Mattejat und Remschmidt (1997) haben in einer breit angelegten Studie die »Bedeutung der Familienbeziehung für die Bewältigung von psychischen Störungen«
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belegt und daraus abgeleitet auf die hohe Bedeutsamkeit der Elternarbeit bzw. der
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Arbeit mit der gesamten Familie hingewiesen. Sie kommen zusammenfassend zu
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dem Schluss, dass »die Familie bei der Bewältigung von psychischen Störungen eine
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wesentliche Rolle spielt« (ebd., S. 389). Dabei ergaben die Analysen, »dass der
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Therapieerfolg aufgrund der Beziehungsdynamik in der Triade Patient/Mutter/Vater
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besser vorhergesagt werden kann, als aufgrund der Diagnose oder aufgrund des
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symptomatischen Verhaltens der Patienten« (ebd., S. 384).
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Auch wenn die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen
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gut begründbar ist, so ergeben sich eine Reihe von Grundfragen wie z. B.:
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• In welchem Setting soll diese Arbeit durchgeführt werden (Häufigkeit, Beteiligung der Kinder/Jugendlichen; Beteiligung aller Familienmitglieder etc.)?
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• Sind Variationen dieser Arbeit in Abhängigkeit vom Alter der Kinder/Jugendlichen nötig?
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• Wie gelingt es, allen Beteiligten »gerecht« zu werden?
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Gerade die letzte Frage verweist auf ein Grundproblem:
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Dieses Grundproblem besteht in dem Beziehungsdreieck Therapeut → Eltern(teil)
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→ Kind/Jugendlicher. In dieser Dreierkonstellation herrschen unterschiedlichste
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Interessen, Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen vor: Die Eltern wollen, dass der
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Therapeut ihnen hilft, das Kind »gesund« zu machen, vielleicht das Kind in seine
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Schranken zu weisen. Das Kind wiederum möchte möglicherweise, dass der Therapeut den Eltern sagt, dass diese anders mit ihm umgehen, ihm mehr Freiheiten
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gewähren usw. Verschärfend kommt gerade bei Jugendlichen hinzu, dass diese mit
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der Entwicklungsaufgabe beschäftigt sind, sich von den Eltern zu lösen und in
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besonderer Weise eigenständige Identität aufzubauen, andererseits den Therapeuten
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als stützenden erwachsenen Bezugspartner erleben wollen (oder sollen) und gerade
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die Eltern mit dem Lösungsprozess oder der Jugendliche mit der Neuorientierung
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des eigenen Familiensystems überfordert sind.
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Ein weiteres Problem bei der Zusammenarbeit mit Bezugspersonen bzw. mit
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Familien besteht zudem darin, dass der Therapeut Teil dieses Systems ist. Er droht
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immer wieder in die im System geltenden Wirkmechanismen einbezogen zu werden, zum Teil muss er sich auch darauf einlassen.
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Diese Grundprobleme hängen natürlich mit den Grundprinzipen des Systems
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Familie zusammen: Hierin »hängt alles mit allem zusammen« – die Wirkkräfte des
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Systems (wie Homöostase-Tendenzen, die offenen und verdeckten Regeln etc.)
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haben eine starke Kraft und entfalten sich (vgl. von Schlippe & Schweitzer 2003).
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Besondere Gefahren liegen in bestimmten Rollenzuschreibungen – und deren
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entsprechende Übernahme durch den Therapeuten.
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Diez-Grieser (1996, S. 246 f) hat folgende typische Rollenmuster herausgearbeitet:
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• »Rolle der allmächtigen, idealisierten Elternfigur«.
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• Rivalität mit den Eltern, wer der bessere Vater bzw. die bessere Mutter ist.
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