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5.3 Komplexe Auffälligkeiten
Abhängigkeit zu entwickeln, als diejenigen, die mit 19 Jahren mit dem Konsum begannen. Das durchschnittliche Einstiegsalter im Gebrauch illegaler Drogen liegt bei 16,7 Jahren (BZgA 2012; 2004: 16,4 Jahre). Dabei erfolgt der Einstieg in diese Substanzgruppe in der Regel zunächst über Cannabis. Verlauf Die Untersuchungen weisen auf eine typische »Progression des Substanzkonsums« (Thomasius 2006, S. 16) hin: Diese erfolgt bei »rund 90 % aller Adoleszenten in einer konstanten Abfolge (…), wobei die späten Stadien nur von einer Minderheit erreicht werden: Alkohol – Nikotin – Cannabis – Amphetamine – Ecstasy – Kokain« (ebd.). Die Untersuchungen der BZgA (2004b) kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: »Eine wichtige Rolle für den Konsum illegaler Drogen spielen auch Tabak und Alkohol. Erfahrungen mit dem Rauchen und Alkoholräuschen erleichtert es, Cannabis oder andere Drogen zu nehmen. Nie-Raucher haben zu 5 % Cannabis genommen, Raucher zu 44 %. Von den Jugendlichen, die nie einen Alkoholrausch hatten, haben 6 % Cannabis genommen. Von denen, die häufiger (sechs Mal oder öfter) Erfahrungen mit einem Alkoholrausch hatten, sind 67 % Cannabiskonsumenten« (ebd., S. 6). Insgesamt sprechen die vorliegenden Daten dafür, dass »im Zuge der Bewältigung normativer Lebensübergänge (…) viele junge Erwachsene den Konsum illegaler Drogen wieder auf(geben), wenn sie in das Berufsleben einsteigen, eine Familie gründen oder ähnliches (Pedersen & Skrondal 1999, Höfler et al. 1999, Fergusson & Horwood 2000). Eine Untergruppe Substanz-erfahrener Jugendlicher steigt in einem sehr frühen Alter in den Substanzmissbrauch ein, weist beide intensive Konsummuster auf und durchläuft die Progression von einer zur nächsten Substanz sehr rasch (Yamaguchi & Kandel 1984, Silbereisen 1995)« (Thomasius 2006, S. 16 f). Wenn sich zu einem relativ frühen Zeitpunkt eine Substanzabhängigkeit ergeben hat, so ist diese über den weiteren Lebensverlauf relativ stabil (vgl. Al-Wiswasi 2004, Al-Wiswasi & Petermann 2004, Thomasius 2006). Insbesondere die frühe Abhängigkeit stellt auch eine Gefahr für die Entwicklung weiterer schwerer psychischer Störungen dar. Häfner berichtet aus einer Studie zum Zusammenhang zwischen dem Cannabis- und Alkoholkonsum und der Entwicklung der Schizophrenie. Die Ergebnisse weisen darauf hin, »dass der Einstieg in den Missbrauch von Cannabis und von Alkohol bereits vor der Erstaufnahme wegen Schizophrenie doppelt so häufig ist wie bei gleichaltrigen Personen aus derselben Bevölkerung« (Häfner 2005, S. 119). Komorbidität Bei Störungen des Substanzkonsums tritt eine Vielzahl von anderen Auffälligkeiten komorbid auf. Nach Jungblut (2004) ist »Komorbidität bei Drogenabhängigen eher die Regel als die Ausnahme« (ebd., S. 175). 211