2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/196.md

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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
in der Adverse Childhood Experiences (ACE) Study über 17.000 Erwachsene aus der
US-amerikanischen Mittelschicht daraufhin untersuchen, inwieweit belastende
Kindheitserfahrungen mit psychischen, körperlichen und sozialen Beinträchtigungen im späten Erwachsenenalter zusammenhängen. Sie definierten acht Belastungsfaktoren (sexueller Missbrauch, psychisch krankes Familienmitglied, fehlende
biologische Eltern, etc.) und konnten zeigen, dass das Risiko eines Suizidversuches
bei vier bestehenden Belastungsfaktoren um 1.200 %, bei sechs Belastungsfaktoren
um 5.100 % erhöht ist. Ähnliches gilt für Alkoholismus (500 % erhöhtes Risiko) und
die Injektion illegaler Drogen (4.600 %). Auch körperliche Erkrankungen wie
chronische Bronchitis und Herzerkrankungen wiesen 50 Jahre später eine hohe
Korrelation mit belastenden Faktoren auf. Die Autoren sehen die psychische Dysfunktionalität, die sich in Symptomen wie Alkoholabusus, Drogenkonsum, sexueller Promiskuität oder übermäßigem Essen ausdrücken, als Copingversuche, traumatisch bedingte psychische Spannung zu reduzieren. Der Zusammenhang
zwischen früher Traumatisierung und späterer Beeinträchtigung wird in der folgenden Abbildung veranschaulicht (c Abb. 5.16).
Was ist ein Trauma?
Fischer und Riedesser (1998, S. 79) definieren ein psychisches Trauma als »Vitales
Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen
Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser
Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltbild
bewirkt«.
Damit sind die beiden zentralen Aspekte für das Verständnis posttraumatischer
Reaktionen und möglicher therapeutischer Ansätze angesprochen:
a) Die erlebte Überwältigung durch die Situation mit der Unmöglichkeit im Sinne
basaler adaptiver Stressreaktionsmuster (Flucht, Kampf, Einfrieren) zu reagieren
führt zu einer veränderten dysfunktionalen Speicherung und Informationsverarbeitung im Gehirn (Berking et al. 2006), die hier nur grob skizziert werden kann.
Wird eine bestimmte Wahrnehmung (traumatisches Ereignis) von der Amygdala als
lebensbedrohlich eingeschätzt, wird die Weiterverarbeitung (Integration) dieser
Information durch den Hippocampus und den medialen präfrontalen Cortex unterbrochen. Dadurch kann dieses Ereignis nicht in einen Raum-Zeit-Kontext eingeordnet werden (Schauer et al. 2005) und die Eindrücke der traumatischen Erfahrung bleiben als sensorisch zersplitterte »Rohdaten« in einem »Furchtnetzwerk«
in der Amygdala gespeichert. Daraus wird auch die hohe »Triggerbarkeit« von
Traumatisierten verstehbar, die (auch in großem zeitlichem Abstand vom Trauma)
durch sogenannte Auslösereize (Trigger) wieder an das Trauma erinnert werden
(Intrusionen) und es gefühlsmäßig als »Jetzt« erleben. Zudem ist die Fähigkeit zur
Emotionsregulation nachhaltig gestört, weil der dafür zuständige Teil der mediale
präfrontale Cortex nicht mehr in diesen Prozess eingebunden ist (c Abb. 5.17).
Chronische Traumatisierung führt zu Veränderungen im Gehirn, die ein Fortbestehen der Symptomatik begünstigen. Der Hippocampus wird durch das Stresshormon Cortisol geschädigt und sein Volumen nimmt ab (Bremner et al. 1997). Die
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