3.1 KiB
5.1 Internalisierende Auffälligkeiten
Merkmale der Adipositas Die Adipositas wird in ICD-10 und ICD-11 nicht klassifiziert. »Es existiert derzeit keine einheitliche Klassifikation von Adipositas« (Fichter & Warschburger 2000, S. 572). Daher ist Adipositas im engeren Sinne eine körperliche, chronische Erkrankung mit massiven psychischen Begleiterscheinungen. Allgemein ist die Adipositas definiert ab einem BMI von 30. Bei einem BMI von > 40 spricht man von »Adipositas per magna«. Schmidt und Steins (2000) schlagen eine Orientierung an den – altersbezogenen – Perzentilkurven des BMI vor: »Bei Kindern spricht man von einem hohen Körpergewicht ab der 85. Perzentile und von ausgeprägter Adipositas ab der 95. Perzentile« (ebd., S. 252). Nach dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS, RKI 2007) haben 15 % der Kinder- und Jugendlichen in Deutschland Übergewicht; bei einem Drittel von ihnen liegt eine Adipositas vor. Der Anteil übergewichtiger Kinder hat sich gegenüber den 1990er Jahren um 50 % erhöht. In der zweiten KiGGS-Welle war »in allen Altersgruppen kein weiterer Anstieg zu verzeichnen« (Schienkiewitz et al. 2018, S. 16). Es gibt keine Geschlechterunterschiede. »Übergewichts- und Adipositasprävalenzen steigen mit zunehmendem Alter an. Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Status (SES) sind deutlich häufiger von Übergewicht und Adipositas betroffen als Gleichaltrige mit hohem SES« (ebd.). Im Zusammenhang mit der Adipositas werden »Heißhungerattacken« beschrieben; dafür wird der eigenständige Begriff der »Binge Eating Disorder (BED)« geprägt. Allerdings liegt nach einer Studie von Warschburger und Kröller (2005) zufolge nur bei 3,8 % der untersuchten übergewichtigen Kinder und Jugendlichen im Alter von 10–16 Jahren eine BED vor; »insgesamt berichteten jedoch 12,8 % der [untersuchten, d. Verf.] Kinder und Jugendlichen von Heißhungerattacken« (ebd.) – dies bedeutet, dass die Begriffe nicht gleich zu setzen sind. »Binge-Eating« wurde als eigene Kategorie auch in den ICD-11 aufgenommen (6B82) und es wird diesem Verhalten in den S3-Leitlinien ein gesondertes Kapitel gewidmet (Hilbert et al. 2020). »Adipositas geht mit zahlreichen Komplikationen und Folgeschäden einher, unter anderem mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Schlaganfällen, Diabetes, (…) vorzeitigem Gelenkverschleiß« (Franke 2001, S. 366) etc. »Adipöse Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, einschließlich Bluthochdruck« (Fichter & Warschburger 2000, S. 574). Von sehr großer Bedeutung sind die psychosozialen Aspekte: Neben Unzufriedenheit mit dem eigenen Körpergewicht finden sich Einschränkungen im Selbstkonzept mit Auswirkungen auf die gesamte Lebensqualität. In zwei unterschiedlichen Studien konnte deutlich gezeigt werden, dass Kinder und Jugendliche mit einer Adipositas gegenüber normalgewichtigen Kindern/Jugendlichen einen »niedrigeren Selbstwert« (Schmidt & Steins 2000) bzw. »deutlich negativere Selbstbewertungen« (Moens et al. 2005) aufweisen. Oft treten starke Schuldgefühle auf (vgl. Fichter & Warschburger 2000, Franke 2001).
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