2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/112.md

2.7 KiB
Raw Blame History

5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

(aus ICD-10/11 und DSM-IV, zusammengestellt nach: Franke 2001, S. 361, Fichter & Warschburger 2000, S. 563, Zeeck et al. 2020). Psychische Begleiterscheinungen der Anorexie sind starke Selbstzweifel, oftmals sozialer Rückzug und Depression. »Ihrem oftmals selbstsicheren Auftreten zum Trotz sind anorektische Mädchen und Frauen innerlich zutiefst von Selbstzweifeln und ständigen Gefühlen der Inkompetenz und Unzulänglichkeit gequält. Selbst hervorragende eigene Leistungen können sie nicht anerkennen. Was immer sie tun, es ist nicht genug« (Franke 2001, S. 363, ebenso: Herpertz-Dahlmann et al. 2005). Merkmale der Bulimie (ICD-11 6B81) • Eine andauernde Beschäftigung mit Essen, eine unwiderstehliche Gier nach Nahrungsmitteln; der Patient oder die Patientin erliegt Essattacken (»Binge Eating«), bei denen von ihnen große Mengen Nahrung in kurzer Zeit konsumiert werden (teilweise bis zu 15000 kcal); dieses Essverhalten wird oft geheim gehalten. • Die Essattacken sind mit dem Gefühl verbunden, die Kontrolle über das eigene Essverhalten verloren zu haben (vgl. Fichter & Liberman 1997). • Der Patient oder die Patientin versucht, dem dickmachenden Effekt der Nahrung durch verschiedene Verhaltensweisen entgegen zu steuern: Selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Zeitweilige Hungerperioden, Gebrauch von Appetitzüglern, etc. • Die Fressattacken und das unangemessene Kompensationsverhalten kommen drei Monate lang im Durchschnitt mindestens zwei Mal pro Woche vor. • Die psychopathologische Auffälligkeit besteht in einer krankhaften Furcht davor, dick zu werden. • Der Patient oder die Patientin setzt sich eine scharf definierte Gewichtsgrenze weit unter dem prämorbiden Gewicht. (zusammengestellt nach ICD-10/11 und DSM-5, nach Svaldi et al. 2020) Auch bulimische Patientinnen haben »eine sehr niedrige Selbstachtung und sind extrem abhängig von sozialen Normen. Ihr Selbstwertgefühl ist stark davon abhängig, wie gut sie es schaffen, diesen sozialen Normen und Idealen vom Körpergewicht und Figur nahe zu kommen. Dichotomes Denken in Alles-oder-NichtsKategorien (…) ist bei bulimischen Patientinnen sehr häufig« (Fichter & Warschburger 2000, S. 563, s.a. Svaldi et al. 2020). Auch Franke führt eine Reihe von Studien an, die belegen, dass »bei Menschen mit Bulimia nervosa (…) vermehrt massive Gefühle von Wert- und Sinnlosigkeit, ausgeprägte Stimmungsschwankungen, Schuldgefühle und Suizidalität auf[treten]« (Franke 2001, S. 365). Aufgrund des enorm erhöhten Lebensmittelkonsums sind bulimische Patientinnen manchmal verschuldet.

112