2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/099.md

38 lines
2.7 KiB
Markdown

5.1 Internalisierende Auffälligkeiten
meiden (vgl. Blanz et al., 2006)« (Petermann & Suhr-Dachs 2013, S. 369). Die
Personen befürchten, Verhalten zu zeigen, mit dem sie sich bloßstellen, mit dem sie
sich blamieren und als dumm, ängstlich, schwach etc. wahrgenommen werden.
Diese »Bewertungsangst« ist bei sozial ängstlichen Kindern noch nicht unbedingt
gegeben, sondern kommt oft erst im höheren Alter.
Bei Kindern kann sich soziale Angst anders als bei Erwachsenen zeigen: »als
Weinen, in Form von Wutanfällen sowie Erstarren oder Zurückweichen vor sozialen
Situationen mit unvertrauten Personen. Kinder erkennen oftmals nicht, dass ihre
Angst unbegründet oder übertrieben ist« (Petermann et al. 2000b, S. 234 f, vgl. auch
Essau 2023).
Soziale Ängstlichkeit und Soziale Phobie kann zu erheblichen Einschränkungen
führen auf der Ebene der sozialen Beziehungen (wenn sich Kinder nicht trauen, mit
Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen), aber auch auf der schulischen Ebene zu
Leistungseinbußen führen. Eine spezifische Form dieser Störung kann die Schulphobie sein, die sich oftmals aus Misserfolgen im Leistungsbereich oder erlebter
bzw. vermuteter Zurückweisung durch Gleichaltrige entwickelt (vgl. Findeisen
2006).
Der ICD-10 unterscheidet zwischen Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters (F93.2) und Sozialer Phobie (F40.1), bei der die Bewertungsangst eine
größere Rolle spielt. Im ICD-11 wird diese Trennung aufgehoben und die Soziale
Angststörung (6B04) codiert (angepasst an die individuelle altersentsprechende
Symptomatik (Vloet & Romanos 2021).
Generalisierte Angststörung (GAS)
Hauptmerkmal dieser Angststörung »ist das exzessive Sich-Sorgen über unterschiedliche Themenbereiche oder Tätigkeiten« (In-Albon, 2019, S. 589), das zu
einem erheblichen Leidensdruck führen kann.
Diese Sorgen und die ängstlichen Erwartungen sind schwer zu kontrollieren und
sie können mit folgenden Symptomen verbunden sein:
• »Ruhelosigkeit, Nervosität, Unvermögen sich zu entspannen
• Gefühl von Müdigkeit, Erschöpfung oder Anstrengung
• Konzentrationsprobleme oder Leere im Kopf
• Reizbarkeit
• Muskelverspannungen
• Durchschlafstörungen, unruhiger oder schlechter Schlaf« (ICD-10 Forschungskriterien, zitiert nach Petermann et al. 2002b, S. 235)
Insbesondere die umfassende Sorge über relativ unbedeutende oder auch bedeutendere Ereignisse unterscheidet Kinder/Jugendliche mit einer generalisierten
Angststörung von Kindern und Jugendlichen mit anderen Angststörungen. Dabei
kann es sich um eher erwachsenentypische Sorgen (Pünktlichkeit, Gesundheit, Finanzen, Katastrophen, Klimawandel), oder auch kindertypischere Sorgen (z. B.
Leistungen im schulischen Bereich) handeln. Dabei springen die Betroffenen ge99