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Raw Blame History

5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

fehlendem Kontrollerleben und ein daraus resultierendes Rückzugsverhalten heraus. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Eltern, die selbst an einer depressiven Erkrankung leiden, einen besonderen Risikofaktor darstellen; dabei scheinen spezifische Interaktionsprozesse, aber auch das Modelllernen (besonders bei der Art der Bewältigung von Krisen) von Bedeutung zu sein (vgl. Essau 2002a, S. 119 ff). Aufgrund der Vielfalt neuer Entwicklungsaufgaben im Jugendalter, verbunden mit deutlichen körperlichen Veränderungen und sich z. T. wandelnden Außenbedingungen (Schulwechsel, Schulende…), besteht im Jugendalter ein merklich erhöhtes Risiko für nicht gelingende Bewältigungsprozesse und damit für die Entstehung depressiver Symptomatiken (»Depressionsrisiko Jugendalter«, vgl. Groen & Petermann 2011, S. 75 ff.). Dabei scheinen Mädchen besonders aufgrund stärkerer negativer Körper-Selbstbilder generell geringere Kontrollüberzeugungen zu haben und erscheinen somit vulnerabler (vgl. Groen & Petermann 2011). Psychologische Faktoren: Selbststruktur und Bewältigung Aus dem Wechselspiel von biologischen Ausgangsbedingungen und frühkindlichen (Beziehungs)Erfahrungen ergeben sich zusammengefasst folgende Konsequenzen für die Bildung der Selbststruktur, die das Risiko für depressive Symptomatiken erhöht: • Selbstregulation: negative Emotionen können schlecht reguliert werden, positive Emotionen werden schlechter aktiviert (»dysfunktionale Emotionsregulation bzw. negative Affektivität«, Groen & Petermann 2011). • Bindungsrepräsentationen: eher unsichere Repräsentation von Bindungserfahrungen und entsprechendes Bindungsverhalten (vgl. Brisch 1999, Spangler & Zimmermann 1995). • Selbstwirksamkeits-/Kontrollerwartungen: geringe Selbstwirksamkeitserwartungen, negatives Selbstbild, Hilflosigkeit, »dysfunktionaler Attributionsstil«, negative Zukunftserwartungen (Groen & Petermann 2011). • Handlungspotentiale: geringe soziale Kompetenzen (vgl. Essau 2002a), verringerte Explorationstendenzen. • Kognitive Faktoren: negative kognitive Schemata und Attribuitionsstile, Negative Wahrnehmung, Denken, Erwartung bezüglich der eigenen Person, der Umwelt und der Zukunft, Kognitive Fehler (Schwarz-Weiß-Denken, Übergeneralisierung, Katastrophisieren …) (Schulte-Körne, 2023). Die so gebildeten Selbststruktur-Anteile stellen ein Risiko für die Entstehung deutlicher und persistierender depressiver Symptomatiken dar, sie bestimmen einen (mehr oder weniger großen) Grad von Vulnerabilität des Individuums (vgl. Groen & Petermann 2011). Bei Vorliegen einer »depressionsrisiko-begünstigenden« Selbststruktur und fehlenden Schutz- bzw. erhöhten Risikofaktoren entsteht bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben oder spezifischer Belastungen ein erneuter Widerspruch 88