44 lines
2.7 KiB
Markdown
44 lines
2.7 KiB
Markdown
3 Allgemeines Modell der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten
|
||
|
||
Holtforth & Grawe 2004, S. 10 f), die als handlungsleitende innerseelische Instanz
|
||
die Art der Weltbegegnung steuert (s. o.).
|
||
Folgende Elemente haben hier eine besondere Bedeutung (es werden an dieser
|
||
Stelle nur allgemeine Zusammenhänge aufgezeigt, spezifische Betrachtungen
|
||
möglicher Beeinträchtigungen erfolgen bei den jeweiligen Abschnitten zu den
|
||
einzelnen Auffälligkeiten):
|
||
a) Bindungsrepräsentationen
|
||
Aufgrund unsicherer bzw. desorganisierter Bindungserfahrungen entsteht eine
|
||
grundlegende Unsicherheit im Aufbau von (neuen) Beziehungen. Die Erwartung, dass die Beziehungen nicht verlässlich sind, dient als Grundlage, auf andere
|
||
Menschen – Erwachsene wie Gleichaltrige – zuzugehen. Es kommt zu einer
|
||
Vorsicht und/oder Misstrauen oder Rückzug.
|
||
b) Informationsverarbeitung und Mentalisierungsfähigkeit
|
||
Die Informationsverarbeitung und Fähigkeit zum Problemlösen ist aufgrund
|
||
früherer Stresserfahrungen oder unzureichender »Mentalisierung« (Fonagy &
|
||
Target 1997) eingeschränkt; es kommt zu einseitigen Wahrnehmungen, zu
|
||
Wahrnehmungsverzerrungen, zum Urteilen in rigiden »Schwarz/Weiß-Schemata« etc.
|
||
c) Selbstwirksamkeit und Kontrollerwartungen
|
||
Aufgrund unzureichender Selbstwirksamkeitserfahrungen in früher Kindheit
|
||
bestehen später eingeschränkte Selbstwirksamkeits- bzw. Kontrollerwartungen
|
||
und der Selbstwert wird beeinträchtigt.
|
||
d) Selbststeuerung/-regulation
|
||
Die Fähigkeiten zur Selbststeuerung und Affektregulation, oftmals auch zu
|
||
(empathischer) Selbst- und Fremdwahrnehmung sind eingeschränkt.
|
||
e) Handlungspotential
|
||
Oftmals sind die Handlungspotentiale, v. a. im Bereich der sozialen Kompetenzen eingeschränkt.
|
||
|
||
3.3.4
|
||
|
||
Risiko- und Schutzfaktoren
|
||
|
||
Dass sich ein bestimmtes Verhalten – oder eben eine »Auffälligkeit« – als stabile
|
||
Struktur bzw. generelle »Antwortbereitschaft« etabliert, hängt maßgeblich von
|
||
einem Zusammenspiel von Risiko- und Schutzfaktoren ab. Die Entwicklungswissenschaften (vgl. Petermann et al. 2004) und die Schutzfaktorenforschung (Bengel et
|
||
al. 2009) gehen davon aus, dass in der kindlichen Entwicklung »risikoerhöhende«
|
||
und »risikomildernde« Bedingungen bestehen. Aus der Bilanz von Belastungen
|
||
gegenüber Ressourcen ergibt sich eine Gesamtbelastbarkeit des Kindes und seiner
|
||
Familie; auf dieser Grundlage sind Entwicklungsprognosen hinsichtlich Anpassung
|
||
oder Fehlanpassung des Kindes möglich (vgl. Petermann et al. 2004, S. 322 ff). Aus
|
||
diesem Zusammenspiel ergeben sich Vulnerabilitäten, die sich »bei besonderer
|
||
Empfindlichkeit gegenüber Umweltbedingungen« (ebd., S. 326) äußern. Im Zusammenspiel mit weiteren personalen Risikofaktoren, aber besonders Risikobedingungen in der Umwelt und hier spezifisch im sozialen Umfeld, steigt die
|
||
56
|