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2.4 Die Bedeutung des Geschlechts
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bider Störungen (stellt) jedoch oftmals eher die Regel, als die Ausnahme dar« (Petermann et al. 2004, S. 317). Hierdurch lassen sich Angaben über einzelne Störungsbilder nur schwer präzisieren; oftmals ist auch nicht klar, welches die erste oder
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»schwerere« Störung ist – auch hierdurch erklären sich große Schwankungsbreiten
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bei den epidemiologischen Studien. (Auf die einzelnen Komorbiditätsraten wird in
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den jeweiligen Kapiteln gesondert eingegangen.)
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2.4
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Die Bedeutung des Geschlechts
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Lange Zeit ist in der Forschung, z. T. in der Klinischen Psychologie überhaupt, die
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Frage von Geschlechtsunterschieden5 bei der Entstehung und Aufrechterhaltung
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von Verhaltensauffälligkeiten und seelischen Erkrankungen nicht systematisch
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genug reflektiert worden (Schigl, 2018). Dabei umfasst der Begriff des Geschlechts
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sowohl das biologische als auch das soziale Geschlecht (»Gender«). So bestehen
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unterschiedliche Gesundheitsrisiken für Frauen und Männer, differierende Geschlechterverhältnisse bei der Prävalenz seelischer Erkrankungen, unterschiedliche
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Inanspruchnahmeraten psychotherapeutischer Hilfe ebenso wie »geschlechtstypische« Entwicklungsverläufe bei seelischen Störungen.
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Unterschiede in den Prävalenzen psychischer Auffälligkeiten finden sich bereits
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im Kindergartenalter. Bei Jungen werden höhere Prävalenzen vor der Pubertät,
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insbesondere im Bereich der expansiven Störungen festgestellt. Mädchen hingegen
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weisen ein höheres Maß an – insbesondere internalisierenden – Auffälligkeiten ab
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der Adoleszenz auf (Otto et al. 2021). Genauer: Jungen leiden häufiger an Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen, Verhaltensstörungen, Suchtproblemen,
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Tic-Störungen und Störungen im Zusammenhang mit der Ausscheidung betroffen.
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Hingegen weisen Mädchen höhere Prävalenzraten bei depressiven und psychosomatischen Störungen, Essstörungen sowie insgesamt bei internalen Störungsbildern
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auf (Hayward und Sanborn, 2002). Beachtenswert sind auch die Unterschiede im
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Selbsturteil: So beschreiben sich Mädchen selbst als deutlich auffälliger als Jungen,
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als sie von ihren Eltern eingeschätzt werden, während sich Jungen als deutlich
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weniger auffällig beschreiben. Aus Elternperspektive werden Jungen in der Kindheit
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als insgesamt auffälliger beschrieben, während sich dieses Verhältnis in der Pubertät
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umdreht (Klasen et al., 2016).
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Diese Befunde sind jedoch nicht unabhängig von gesellschaftlichen Geschlechterrollenzuschreibungen, also den normativen Wahrnehmungen von Geschlechtsunterschieden. Auch in Diagnosekriterien in den Klassifikationssystemen sind geschlechtsbezogene, implizite Vorannahmen und Geschlechtsstereotype enthalten
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5 Geschlechtsunterschiede werden auch bezeichnet als »Gender Gap«. Dieses »bezeichnet
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Unterschiede zwischen Männern und Frauen in sozialen, politischen, intellektuellen, kulturellen oder ökonomischen Errungenschaften oder Einstellungen« (Beutel, Brähler & Tibobus, 2019, S. 54).
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