3.1 KiB
2.3 Häufigkeit von Verhaltensauffälligkeiten bzw. psychischen Störungen; Epidemiologie
etwas höhere mittlere Prävalenzrate von 17,58 % (CI 95 %: 15,66–19,51). Auch für diesen relativ langen Zeitraum zeigt sich eine relativ hohe Stabilität, also kein Anstieg der Prävalenzen über die Zeit. Interpretation der Unterschiede in den Prävalenzen Während die geringen Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen verschiedener Informanten zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (also den Kindern/Jugendlichen selber, den Eltern, pädagogischen Fachkräften) lange Zeit als methodische Schwäche interpretiert wurden, werden die Diskrepanzen in jüngerer Zeit positiver bewertet und als Informationsquelle im diagnostischen Prozess bewertet, zumal sich eine relativ hohe Stabilität dieser Unterschiede (gute Retest-Reliabilität) zeigt (De Los Reyes, 2011). So liefern die Diskrepanzen zwischen den Urteilen u. a. Informationen dazu, in welchen Kontexten welche Verhaltensweisen wie gezeigt werden, und wie diese von den Kindern/Jugendlichen und Eltern wahrgenommen und bewertet werden. Sie scheinen auch mit einigen Kontextbedingungen zusammenzuhängen, wie z. B. elterlichem Stressempfinden (Bajeux et al., 2018). Zudem weisen einige Studienergebnisse darauf hin, dass Diskrepanzen einen prädiktiven Wert haben, z. B. für den wahrgenommenen Therapieerfolg (Asbrand, Foltys, Ebeling & TuschenCaffier, 2021). Diese Herausforderungen müssen bei der Interpretation der vorliegenden Studien berücksichtigt werden. In der breitesten Studie innerhalb Deutschlands, dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch Instituts, wurden in der Basiserhebung von 2003 bis 2006 (Hölling et al. 2007) und insgesamt vier Wiederholungswellen (Bella Welle 1 und Welle 2: 2004 bis 2008, vgl hierzu Hölling et. al. 2014, Klasen et al. 2016; Welle 3: 2009–2012 (Ravens-Sieberer et al., 2015), Welle 4: 2014–2017 (Otto et al., 2021) Daten zur psychischen Gesundheit und gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen erhoben. In einer ergänzenden Studie, der COPSYStudie, wurden Daten zur Entwicklung während und nach COVID-19 erhoben (Kaman et al., 2023). Unter anderem wurden die Eltern mithilfe des Screeninginstruments »Strengths and Difficulties Questionnaire« (SDQ, Goodman 2005) zu dem Verhalten ihrer Kinder befragt. Dabei wurden Auffälligkeiten in vier Problembereichen (Emotionale Probleme, Hyperaktivitätsprobleme, Verhaltensprobleme, Probleme mit Gleichaltrigen) sowie ein Bereich psychischer Stärken (Prosoziales Verhalten) erfasst. Ausgehend von dieser Einschätzung wurden die Kinder und Jugendlichen einer Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten zugeordnet (grenzwertig auffällig oder auffällig im SDQ-Gesamtproblemwert, deutsche Normierung). Verglichen wurde zudem die Selbst- und Fremdeinschätzung. »Insgesamt 20,2 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren ließen sich in der KiGGS Welle 1 [2009–2012] mit dem SDQ-Symptomfragebogen einer Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten (grenzwertig auffällig oder auffällig im SDQ-Gesamtproblemwert, deutsche Normierung) zuordnen; in der 29