2.9 KiB
2.9 KiB
2.3 Häufigkeit von Verhaltensauffälligkeiten bzw. psychischen Störungen; Epidemiologie
2.3
Häufigkeit von Verhaltensauffälligkeiten bzw. psychischen Störungen; Epidemiologie
Ziel epidemiologischer Studien ist es, die Häufigkeit des Auftretens von Verhaltensauffälligkeiten bzw. psychischen Störungen und ihre Verteilung innerhalb bestimmter Bezugsgruppen zu untersuchen. Dabei lassen sich zwei wesentliche Maße unterscheiden:
- »Die Prävalenz gibt die Anzahl aller an einer bestimmten Krankheit oder psychischen Störungen leidenden Personen in einer Population zum Untersuchungszeitpunkt wieder (Punktprävalenz). Bezugspunkt für die Prävalenz stellt die Gesamtanzahl aller Personen aus der betreffenden Population dar« (Petermann et al. 2004, S. 311).
- Die Inzidenz hingegen »gibt die Anzahl neu aufgetretener Fälle einer bestimmten Erkrankung oder psychischen Störung pro 10 000 (…) Personen pro Jahr wieder. Bezugspunkt für die Inzidenz ist nicht die gesamte Population, sondern diejenigen, die eine bestimmte Störung überhaupt noch entwickeln können« (ebd.). Aufgrund unterschiedlicher Untersuchungsmethoden, befragter Bevölkerungsgruppen, verschiedener Instrumente, etc. ergeben sich große Unterschiede bezüglich der Angaben zur Auftretenshäufigkeit der seelischen Erkrankungen im Kindesund Jugendalter. Petermann et al. (2004) sprechen von »methodischen Inkonsistenzen epidemiologischer Studien« (ebd., S. 12) und führen neben unterschiedlichen Erhebungstechniken, Stichprobenzusammenstellungen, Stichprobengrößen, Erfassungszeiträumen, Studiendesigns und Diagnosekriterien (z. B. ICD vs. DSM), unterschiedlichen Cut-off-Werten etc. auch die unterschiedlichen Informationsquellen an. Die Übereinstimmung zwischen dem Selbsturteil von Kindern/Jugendlichen und dem Urteil der Eltern in Bezug auf psychische Auffälligkeiten ist gering bis moderat. Dies gilt inzwischen als stabiles Phänomenen (Achenbach, 2006), das auch in Metaanalysen3 bestätigt wird. So zeigen sich in der Metaanalyse von De Los Reyes et al. (2015), in der 341 Studien zusammengefasst werden, nur geringe Übereinstimmungen in Bezug auf internalisierende Auffälligkeiten (r=.25), sowie auf externalisierende Auffälligkeiten (r=.30; Gesamter Mittelwert r=.28). Diese geringen Übereinstimmungen führen zu großen Unterschieden in den Angaben der Prävalenzen, wie sich z. B. bei den Angaben zur Prävalenz der Störung des Sozialverhaltens bzw. aggressiv-dissozialen Verhaltens zeigt, die zwischen 4,2 und 14,5 % (vgl. FröhlichGildhoff 2006b). schwanken. Petermann fasst die Ergebnisse von Ihle & Esser (2002) zusammen, die die Ergebnisse mehrerer nationaler und internationaler Studien zusammentragen. »Ihren Überblicken zufolge lässt sich ein Median der berichteten Prävalenzraten psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter von 18 % angeben, mit einem Range 3 Metaanalysen: quantitative Kombination mehrerer relevanter Studien.
27