2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/025.md

2.4 KiB

2.2 Klassifikationssysteme

• 6B43 Anpassungsstörung • 6B44 Reaktive Bindungsstörung • 6B45 Störung der sozialen Bindung mit enthemmtem Verhalten • 6B4Y Sonstige näher bezeichnete Störungen, die spezifisch Stress-assoziiert sind • 6B4Z Störungen, die spezifisch Stress-assoziiert sind, nicht näher bezeichnet Um Inhalt und Logik des Systems weiter zu vertiefen ist aus diesem Katalog exemplarisch die Beschreibung der »Reaktiven Bindungsstörung« dargestellt: »Die reaktive Bindungsstörung ist durch stark abnormes Bindungsverhalten in der frühen Kindheit gekennzeichnet, das im Zusammenhang mit einer Geschichte grob unangemessener Kinderbetreuung (z. B. schwere Vernachlässigung, Misshandlung, institutionelle Deprivation) auftritt. Selbst wenn eine adäquate primäre Betreuungsperson neu hinzukommt, wendet sich das Kind nicht an die primäre Betreuungsperson, um Trost, Unterstützung und Pflege zu erhalten, zeigt nur selten sicherheitssuchende Verhaltensweisen gegenüber einem Erwachsenen und reagiert nicht, wenn Trost angeboten wird. Die reaktive Bindungsstörung kann nur bei Kindern diagnostiziert werden, und die Merkmale der Störung entwickeln sich in den ersten 5 Lebensjahren. Die Störung kann jedoch nicht vor dem Alter von 1 Jahr (oder einem Entwicklungsalter von weniger als 9 Monaten) diagnostiziert werden, wenn die Fähigkeit zur selektiven Bindung möglicherweise noch nicht voll entwickelt ist, oder im Zusammenhang mit einer Autismus-Spektrum-Störung«. Sowohl für ICD-10 als auch DSM-5 wurden sogenannte Klassifikationen auf mehreren »Achsen« oder Bereichen (»multiaxiale Klassifikation«) beschrieben und es wurden Diagnosebögen entwickelt, um eine entsprechende diagnostische Einordnung bzw. Kategorisierung vornehmen zu können. Nach Remschmidt et al. (2000) lassen sich folgende Achsen beschreiben (c Tab. 2.2): Tab. 2.2: Multiaxiale Klassifikation Achse

Beschreibung

1

Psychische Symptomatik (Klinisches psychiatrisches Syndrom)

2

Umschriebene Entwicklungsstörung

3

Intelligenzniveau

4

Körperliche Symptomatik

5

Aktuelle abnorme psychosoziale Umstände

6

Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung

2.2.2

Dimensionale Klassifikation

Aus der Kritik am kategorialen System und der zum Teil mangelnden Reliabilität von Diagnosen (vgl. Döpfner et al.2000a, S. 17 f) besonders bei wenig homogenen diagnostischen Klassen wurde aufgrund von breiten Fragebogen- bzw. Befundsys25