2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/022.md

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Raw Blame History

2 Begriffsbestimmung: Was ist »verhaltensauffällig«?

2.1.5

Schlussfolgerung

Letztlich bedeuten diese Betrachtungen, dass offensichtlich der Begriff der »Auffälligkeit« oder »Störung« nicht punktgenau definiert werden kann. Es handelt sich eher um eine (oder mehrere) Dimension(en), die einer Entwicklungsdynamik unterliegen. Die Definition dessen, was normal oder abweichend ist, ist immer an soziale Prozesse gebunden Oftmals stellt das »auffällige« Verhalten eine besondere Herausforderung für die soziale Umwelt dar (vgl. Fröhlich-Gildhoff, Rönnau-Böse & Tinius, 2020). Bei der Betrachtung einer (potenziellen) Auffälligkeit sind die Symptome im Kontext zu betrachten, in ihrem jeweiligen Verlauf und in den Auswirkungen (Leiden!) auf das Individuum und/oder dessen Umwelt. Zusammengefasst: »Psychische Störung ist ein psychologisches Konstrukt für ein komplexes Phänomen, das in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen verwendet wird. Daher ist dieses Konstrukt auch nicht unabhängig von sozialen Bewertungen und Konventionen, sondern wird modifiziert durch den jeweiligen medizinischen, juristischen, politischen und allgemein-gesellschaftlichen Kontext« (Bastine 1998, S. 175). Dennoch ist es sinnvoll, Symptome und Auffälligkeiten bei Beachtung der genannten Einschränkungen und Probleme unter Diagnose-Begriffen zusammenzufassen: so sind individuumsübergreifende Betrachtungen der Störungen oder Auffälligkeiten möglich, die zu allgemeineren Ursachen/Erklärungszusammenhängen, zur Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren, aber auch zu spezifischen Therapie- oder Unterstützungsmöglichkeiten führen. Diese Erkenntnisse können dann beim individuellen Vorliegen eines Problems (erste) Orientierung bieten. In der Diagnostik und Klassifikation psychischer Störungen lassen sich zwei Ansätze unterscheiden, die auf unterschiedlichen wissenschaftlichen Traditionen basieren:

  1. »In der kategorialen Diagnostik werden psychische Störungen als diskrete, klar voneinander und von psychischer Normalität abgrenzbare und unterscheidbare Störungseinheiten beschrieben. Diesem kategorialen Ansatz sind die beiden wichtigsten klassischen klinischen Klassifikationssysteme, die internationale Klassifikation psychischer Störungen (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (…) und das diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen (DSM) (…) verpflichtet.
  2. Durch eine dimensionale Diagnostik werden psychische Merkmale einer Person entlang eines Kontinuums erfasst und beschrieben, sie (…) beschreiben psychische Auffälligkeiten anhand von empirisch gewonnenen Dimensionen« ( Döpfner, M., Lehmkuhl, G., Heubrock, D. & Petermann, F., 2000a, S. 7). Auf diese Klassifikationssysteme soll im Folgenden dezidierter eingegangen werden.2 2 Im Bereich der Behinderungen und Funktionseinschränkungen wurde ein eigenständiges Klassifikationssystem, die ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Be-

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