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2 Begriffsbestimmung: Was ist »verhaltensauffällig«?
variieren. So wird es zu Beginn des ersten Schuljahres noch vielfach toleriert
werden, wenn ein Kind im Laufe des Unterrichtes seinen Platz verlässt dieses
Verhalten wird noch als »normal« angesehen hingegen sollte das Kind am Ende
des ersten Schuljahres verinnerlicht haben, dass es »normal«, also der Norm
entsprechend ist, dass während der Unterrichtszeit der Platz nicht mehr verlassen
wird.
• Statistische Normen
Statistische Normen beschreiben die Auftretenshäufigkeit von bestimmten Verhaltensweisen oder Merkmalen. Voraussetzung dafür ist, dass diese Merkmale
relativ klar klassifizierbar sind und entsprechend gemessen werden können. Dies
ist bei physiologischen Merkmalen, wie z. B. der Körpergröße relativ einfach, wird
jedoch bei psychischen Merkmalen oder Verhaltensweisen komplizierter ein
typisches, entsprechend definiertes Merkmal ist die Intelligenz. In der Regel
werden bei der Erfassung dieser Merkmale zur Bestimmung einer Norm
relativ große Populationen untersucht und es wird zumeist davon ausgegangen,
dass die Verteilung dieser Merkmale dem Modell der Normalverteilung folgt.
Wesentliches Kennzeichen der Normalverteilung ist es, dass sich relativ einfach
Prozentränge abhängig von der Standardabweichung festlegen lassen; davon
ausgehend lassen sich dann auch Grenzen für Normalität bzw. Abweichung
festlegen. So lässt sich beispielsweise festlegen, dass die oberen 2,5 % der mit
einem Intelligenztest untersuchten Menschen als hochbegabt gelten können:
mehr als 97,5 % der Vergleichsgruppe erzielen ein schlechteres Testergebnis
(c Abb. 2.1).
• Funktionale Norm
Hiernach ist derjenige normal, der bestimmte vorgegebene Anforderungen oder
Funktionen erfüllen kann.
• Ideale Norm
Danach ist derjenige normal, der insgesamt oder in bestimmten Merkmalen
Kennzeichen von Vollkommenheit erfüllt; typische Beispiele hierfür sind
Schönheitsideale.
• Subjektive Norm
Hiermit ist die individuelle, selbstgesetzte Normalität gemeint, die sich natürlich
mit anderen Normen decken kann (vgl. zu den verschiedenen Normbegriffen
z. B. Rief & Stenzel, 2012, S, 11 f).
Aus diesen Betrachtungen wird deutlich, dass letztlich alle Normen Übereinkünfte
zwischen Menschen sind, also sozialen und/oder gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Dies bedeutet zugleich, dass sich Normen zwischen sozialen
Bezugsgruppen, zwischen Populationen, beispielsweise in unterschiedlichen Ländern, aber auch im historischen Kontext verändern (können).
Die Problematik von begrifflichen Zuschreibungen, wie Verhaltensstörung oder
Verhaltensauffälligkeiten verdeutlicht Kriz (2004) an dem Beispiel, wenn gesagt
wird »Hans hat eine Verhaltensstörung« so kommt es zu einer »Verdinglichung«,
zu einer starren, statischen Festschreibung. »Schon die Formulierung: Hans verhält
sich gestört lässt Fragen aufkommen wie: Wann? und: In welchem Zusammenhang?. Und deren nähere Erörterung führt zu einem komplexen Gefüge aus un16