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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 303 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
- Systemische Personal- und Systementwicklung in einer Jugendhilfeeinrichtung
deutungen zu verstehen und so zu transformieren, dass es für alle Beteiligten möglich ist, unter veränderten Bedeutungszuschreibungen neue Handlungsoptionen wahrzunehmen, zu entwickeln und zu nutzen (s. Hargens 2000; Kühling, Schweyer u. Herwig-Lempp 1997; Goolishian u. Anderson 1988). In der Jugend- und Erziehungshilfe entwickeln sich Systeme oft um ein »Problem« herum. Erzieherinnen, Eltern, Kinder, Jugendliche und Sozialarbeiterinnen konstruieren im Austausch Bedeutungszuschreibungen für wahrgenommene Verhaltensweisen und konstruieren auf diese Weise gemeinschaftlich eine Problemsicht. Um diese gemeinsame Geschichte, um die gemeinsam entwickelte Interpretation herum bildet sich das soziale System »Jugendhilfe«. Diese gemeinsam entwickelte Geschichte, das »Problem«, koordiniert das Handeln der Betroffenen. Innerhalb kurzer Zeit kann sich eine Wechselwirkung zwischen Geschichte, Narration und den Verhaltensweisen der Kommunikationsbeteiligten entwickeln. Sie bestätigen sich gegenseitig und bringen sich gegenseitig hervor. Pädagogischen Mitarbeiterinnen der Jugendhilfe kommt die Aufgabe zu, sich dieses Prozesses bewusst zu sein und sich die bereits kommunizierten Geschichten zu erfragen, sie in ihrer spezifischen Logik zu verstehen, aber auch Perspektiven aufzuzeigen, auf welche Weise das interpretierte Verhalten auch noch verstanden werden könnte. Dies geschieht in erster Linie in der Herstellung neuer Bedeutungszusammenhänge. Die von allen Beteiligten konstruierten Geschichten bestimmen maßgeblich ihre Handlungsmöglichkeiten. Systemische Handlungskonzepte berücksichtigen dies in den Alltagsgesprächen und den ritualisierten Formen der Kommunikation (Elterngespräche, Einzelberatung, familientherapeutische Gespräche und Hilfeplangespräche – siehe Durrant 1996; Berg 1992). Veränderungen können so unterstützt werden, dass durch die kontinuierliche Entwicklung neuer Geschichten das »Problem« verschwindet oder neue Formen des Umgangs mit ihm entwickelt werden können. Aus diesen Grundannahmen des sozialen Konstruktivismus leitet sich ein spezifisch systemisches Menschenbild ab: Menschen haben für ihre Art und Weise, die Welt zu interpretieren, zu denken, zu fühlen und zu handeln, subjektiv plausible Gründe (Hargens 2000). Jegliches Handeln lässt sich von uns plausiblen Geschichten leiten, für Fachkräfte gilt es, diese zu respektieren, zu hinterfragen, ins Wanken zu bringen und durch die Generierung neuer Bedeutungszusammen303