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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 293 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
12. Jugendhilfeplanung
bezogenen Ansatzes in der Kommune, andererseits war nach vielen
Jahren organisationsinterner Planung im Jugendamt aber auch deutlich geworden, dass die Planungsabteilung zu sehr Teil des Organisationssystems Jugendamt geworden war, als dass sie selber den erforderlichen konzeptionellen Schwenk hätte organisationsintern
durch- und umsetzen können. Erst die Kombination von interner Vorarbeit und externer Begleitung brachte hier den erforderlichen Schub
zur Veränderung. Systemisch gesprochen, war die interne Planungsabteilung selbst »Opfer« des strukturellen Konservatismus der Organisation geworden und so nicht mehr ausreichend in der Lage, die erforderlichen »Formen der kontrollierten Destabilisierung bzw. der
maßvollen Irritation« (Merchel 2001, S. 117) in die Organisation zu
tragen. Die Planungsabteilung und die Entscheidungsträgerinnen
der Kommune waren aber kompetent genug, diesen Mechanismus zu
erkennen und sich eine externe Unterstützung für die Neugestaltung
des Planungsverfahrens zu holen. Aber auch dieser Innovationsschub wird sicher seine produktiv-irritierende Funktion in gewisser
Zeit verlieren und neue Irritationen erforderlich machen.
• Durch das vorgestellte Planungsverfahren wurde eine neue, mehrstufige Reflexions- und Handlungsstruktur für das System »Jugendamt«
entwickelt und implementiert, die im Vergleich zum bisherigen Ansatz eine deutlich verbesserte Beobachtung der Umwelt und Bewertung der darin stattfindenden Entwicklungen ermöglicht. Durch das
neue Indikatorenmodell zur Sozialraumanalyse wurde ein qualifiziertes, einfach zu handhabendes Informationssystem zur kleinräumigen Erfassung von Lebensbedingungen geschaffen, das ohne
großen Aufwand fortgeschrieben werden kann. So wurde eine Art
»Frühwarnsystem« für problematische Entwicklungen in den Sozialräumen geschaffen. Seine besondere Qualität erhält das Modell dadurch, dass es vom Aufbau eines kommunikativen Netzes in den
Sozialräumen als Ergänzung und Korrektiv begleitet wurde. Dieses
Netz wird aber seine Qualität nur auf Dauer erhalten können, wenn
es sich aktiv und mit eigenen Kompetenzen als Forum interessierter
Menschen in den Sozialräumen bei der Gestaltung der Lebenswelten
entfalten kann wie dies in der aktivierenden Planung exemplarisch
erprobt wurde. Bliebe es nur ein passiver Wissenslieferant für die
Informationsbedürfnisse der »Zentrale« (Stadtverwaltung und Jugendamt), wäre die Chance zur Partizipation vertan. Das wird von den
Akteuren der Zentrale abhängen, von ihrer Bereitschaft, Entscheidungskompetenzen dezentral zu delegieren, die Arbeit der aktiven
Bürgerinnen anzuerkennen und ihnen die notwendigen (auch finanziellen) Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die aktiven Bürgerinnen im Sozialraum hingegen werden sich nur Gehör verschaffen kön-
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