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Raw Blame History

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 261 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung

und eigene Entwicklungen ermöglicht hätte, war bisher nicht möglich gewesen. Diese schienen sich nun langsam zu lösen, weil sich die Spielräume der einzelnen Familienmitglieder erweiterten. Dazu trug die Idee eines Wohnungstausches bei: Die Mutter könnte allein in die untere und kleinere, bisher vom Vater belegte Wohnung ziehen, der Vater mit den noch zu Hause verbleibenden Kindern in die obere Wohnung. Obwohl dieser Plan nicht realisiert wurde, verstärkten und beschleunigten die darüber geführten Gespräche eine bezogene Separierung (Ritscher 2004b) der Familienmitglieder. 7.6 Eine schriftliche Bilanz als Abschlussintervention Nach ca. eineinviertel Jahren AFT sagte die Sozialarbeitern: »Langsam muss Schluss sein!« Sie sehe keine gravierenden Fortschritte mehr, außerdem liege keine Gefährdung mehr vor. Wir dachten ähnlich und wollten die anstehende Beendigung der AFT für eine letzte Intervention nutzen, um die Familie nochmals für eine sichtbare Veränderung zu gewinnen. Zur Vorbereitung der Abschlussgespräche wurde von der Sozialarbeiterin ein Entwicklungsbericht von uns eingefordert. Jedes Familienmitglied erhielt eine Ausfertigung davon mit der Bitte um Kommentare und Einsprüche in der nächsten Sitzung. Wir verfassten ihn als Intervention, indem wir den bisherigen Therapieverlauf aus unserer Sicht beschrieben und ein Reframing der von uns nach wie vor als problematisch verstandenen Interaktionsmuster formulierten: Sie wurden von uns als »Sinnvoll so lange, bis …« definiert und verwiesen auf alternative Handlungsoptionen für die Zukunft. Dabei nahmen wir immer wieder Bezug auf die Ressourcen des Systems und seiner einzelnen Mitglieder. Wir legten besonderen Wert darauf, unsere Wertschätzung und unseren Respekt für ihre Bemühungen um die Alltagsbewältigung und den Erhalt der Familie als Lebens- und Entwicklungsraum für alle zu vermitteln. Wir betonten auch ihre diesbezüglichen Erfolge, ohne die immer wieder auftretenden Krisen auf diesem schwierigen Weg zu neuen Ufern zu verschweigen. Aber immer wurden diese Hinweise in den positiven Kontext von Bemühung, gelungenen und in der Zukunft noch möglichen Veränderungen eingebettet. Die Reaktionen der einzelnen Familienmitglieder waren so ambivalent wie auch ihre bisherigen Beiträge zum Therapieprozess. Sie konnten einerseits ihre Veränderungsschritte und die der anderen benennen und würdigen, andererseits blieben viele offene Wunden aus 261