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Raw Blame History

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 257 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung

Zunächst arbeiteten wir mit den Eltern an der Verbesserung ihrer Kooperation vor allem im Hinblick auf Michael. Als sie sich am Beispiel des Wäschewaschens über eine aktuelle Regelung für Michael geeinigt hatten und sie ihm gemeinsam in aller Deutlichkeit mitteilten, reagierte er mit noch gesteigerter Provokation gegenüber seiner Mutter. Dabei zeigte sich, dass Frau Ernst ihrem Mann, obwohl er bereit war, sie zu unterstützen, nicht vertraute. Je hilfloser sie sich Michael gegenüber zeigte, desto aggressiver verhielt dieser sich. Er wurde der Mutter gegenüber gewalttätig. Im Verlauf einer Eskalation bedrohte er sie mit einem Küchenmesser. Die Therapeutinnen waren nun sehr besorgt, dass es tatsächlich zu einer ernsthaften Gewalttat kommen könnte. Sie informierten mit Einverständnis der Eltern die Sozialarbeiterin und berieten mit ihr das weitere Vorgehen. Sie wies auf die Möglichkeit einer Fremdunterbringung hin, was der Vater aufgriff und Michael als Konsequenz in Aussicht stellte, wenn er sich nicht ab sofort besser kontrolliere. Daraufhin beschränkte sich Michael auf verbale Attacken gegenüber der Mutter. Die Gefahr einer Eskalation war aber damit noch nicht gebannt. Vor allem Karin fürchtete weitere Angriffe Michaels auf die Mutter. Sie erwog, zur Lösung durch erneuten Einzug in die Wohnung der Mutter beizutragen, sodass Michael sich in der Wohnung des Vaters einrichten könnte. Zugleich fürchtete sie aber, dass dies ihr eigenes Verhältnis zur Mutter wieder bis zum Kontaktabbruch verschlechtern könnte. Wir rieten deshalb von diesem Vorhaben ab. Erst nach längerer Zeit und einem dreiwöchigen Kuraufenthalt Michaels wegen einer Adipositas-Problematik entspannte sich die Lage: Michael entschied sich in der Folge der räumlichen Trennung durch den Kuraufenthalt ohne es mit den Eltern zu kommunizieren , zum Vater zu ziehen, aber sein Zimmer bei der Mutter nicht aufzugeben. 7.4 Veränderungen des Settings im therapeutischen Prozess Mehrfach änderten wir während des gesamten Therapieprozesses das Setting. Dadurch wurden Veränderungen auf verschiedenen Ebenen angeregt. Zudem half es, die Sitzungen und einzelne Gesprächsgänge klarer zu strukturieren, was sich in dieser Familie als besonders hilfreich erwies, da häufig eine emotional und kognitiv verwirrende Situation herrschte. Wir begannen zunächst »klassisch« mit der ganzen Familie, »die unter einem Dacht wohnt«. Matthias verweigerte von vornherein die Teilnahme, Tatjana nahm in der Anfangszeit einmal teil. Dann ver257