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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 220 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Ute Buggenthin
SPFH. Diese Familien benötigen auch heute noch diese Hilfeform, aber der Personenkreis hat sich deutlich erweitert. Spätestens seit dem Einzug der »Krankheitsbilder« AD(H)S, HKS, der Zunahme von Essstörungen, der hohen Rate an Trennungs-, Scheidungs- und Patchworkfamilien, aber auch der zunehmenden Überlastung der Lehrerinnen durch »anspruchsvolle« Schülerinnen hat sich der Personenkreis über diese Gruppe hinaus vergrößert (s. auch die Einführung von Ritscher in diesen Band). Mögliche Gründe sind, dass sich unsere Arbeitsweise so professionalisiert hat, dass uns der Umgang mit derartigen Problemen »zugetraut« wird. Möglicherweise hat dieser Personenkreis aber auch erst in den letzten Jahren das Jugendamt mit seinen Hilfeangeboten für sich entdeckt und fordert sie ein. Oder aber, wen würde es überraschen, es sind die – im Gegensatz zur Therapie – vermutlich geringeren Kosten Ursache dieser »Erweiterung«. Der Begriff »Erweiterung« soll deutlich machen, dass der bisherige »klassische« Personenkreis weiterhin Bedarf an diesen Hilfen hat und auch erreicht werden muss. Insofern ist es uns ein besonderes Anliegen und eine besondere Herausforderung, auch mit diesen Familien systemtherapeutisch zu arbeiten, obwohl die üblichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für Therapie nicht gegeben sind. Genauso wichtig bleiben jedoch die Ansätze und Methoden der Sozialpädagogik. Das therapeutische Handeln wird als Ergänzung gesehen und kann den Bedarf an »handelnder« Unterstützung, die in manchen Familien auf sehr unterschiedlichen Ebenen nötig ist, nicht ersetzen. Ausdrücklich möchte ich anmerken, dass die hier beschriebene Arbeitsweise in allen Familien angeboten werden kann, wenn der Bedarf besteht – unabhängig vom sozialen Status oder Intelligenzquotienten.
- Familie Krahl: Ein Fallbeispiel aus dem Bereich der »erweiterten Klientel« 4.1 Die kommentierte Falldarstellung Frau R., eine Kollegin aus dem ASD, ruft bei uns in der Geschäftsstelle an. Sie stellt den 16-jährigen Paul Krahl vor und fragt nach Kapazität für eine Aufsuchende Familienarbeit – SPFH. Frau R. kennt unsere Arbeitsweise gut, ist selbst systemische Familienberaterin und 220