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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 182 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Horst E. Bertsch und Herbert Böing
deutet die Abwertung ihrer Familie auch eine Abwertung ihrer selbst.
Dies muss beachtet und geachtet werden. Dann sind hilfreiche Bündnisse auf der Basis von vorhandenen Ressourcen möglich. Gelungene
Kommunikation ist ein wichtiges Ziel der konkreten Sozialen Arbeit.
Hierfür sind professionelle Kompetenzen, Wertehaltungen und Methoden erforderlich (vgl. Bertsch 1995).
Dabei erweisen sich das systemische Denken und Handeln als
nützlich. Mit ihrer Hilfe lässt sich eine professionell moderierte Lerngemeinschaft aus Herkunftssystem, Kind und Helferinnen herstellen.
In diesem lernen und verändern sich auch die Sozialarbeiterinnen.
Diese Form der Professionalisierung ist kein Plädoyer dafür, alles
Bewährte über Bord zu werfen, sondern vielmehr eine Aufforderung,
praxisgeprüfte und wirksame Verfahren zu integrieren und damit in
einen neuen, für die Kinder heilsamen Kontext zu stellen.
In prozessorientierten Hilfeverläufen wird deutlich, dass ein betroffenes Kind nicht nur Symptomträger, sondern auch Seismograf
für die Dynamik der Kommunikation zwischen den Systemmitgliedern ist. Der auf den ersten Blick als »Guter« Erscheinende ist nicht
immer der »Gute«; Entsprechendes gilt für »den Bösen«. Das Dilemma von Schuldzuweisung und Festschreibung ist nur zu überwinden,
wenn eine prozessorientierte Kommunikationskultur entwickelt werden kann, die sich durch folgende Qualitäten auszeichnet:
• guten Kontakt zwischen Helferinnen und Auftraggeberinnen
• vorsichtigen, unnötige Verletzungen vermeidenden Umgang mit
Tabus
• Rollenklarheit
• Auftragsklarheit
• kreative, auch nonverbale Kommunikationsformen
• Konsensbildung
• Vertragsarbeit.
2.2.3 Verantwortung
Das systemische Prinzip der Rekursivität (s. Kapitel 1 in diesem Band)
verknüpft das Handeln im System mit der Verantwortung des handelnden Menschen dafür. Das Prinzip Verantwortung (Jonas 1984) ist
nur denkbar und realisierbar im Kontext der Freiheit, zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten zu wählen. Die Verantwortung
für das eigene Tun, verbunden mit der Gestaltung von Handlungsspielräumen, die eine Freiheit der Wahl zulassen, ist auch in der sta182