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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 179 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
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Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe
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Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe Horst E. Bertsch und Herbert Böing
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Einleitung »Behandle den Menschen nicht so, wie er sich verhält, sondern so, wie Gott ihn gemeint haben könnte« (Dostojewsky).
Das Tun des Einen ist das Tun des Anderen (Stierlin 1972) – diese systemische Weisheit gilt auch in der Jugendhilfe. Seit über 18 Jahren gestalten wir – die Verfasser – im psychologisch-pädagogischen Fachdienst einer Jugendhilfeeinrichtung dieses Tun mit. Für Fachleute in der Jugendhilfe nutzt die systemische Basisidee, sich in die Perspektiven aller Mitglieder eines Systems (z. B. des Hilfesystems) zu versetzen bzw. die anderen Mitglieder einzuladen, dies zu tun. So werden das eigene Handeln und seine Einflussmöglichkeiten im Kontext überprüft. Die Fachleute können mithilfe dieser Sichtweise ihre Einflussmöglichkeiten abschätzen, wichtige Informationen über einzelne Mitglieder des Systems und die Systemgestalt gewinnen sowie den weiteren Hilfeprozess planen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie der Blick auf den Beziehungskontext einem zunächst unverständlichen personalen Problem Sinn und Funktion im Rahmen des Systems verleiht und neue Handlungsoptionen erschließt. Plötzlich bieten sich neue Lösungen; institutionelle, politische, persönliche Grenzen finden Beachtung; neue Beziehungen zu den Auftraggeberinnen und Kontrakte mit ihnen sowie Achtung vor ihren Lebensläufen eröffnen sich uns. (Zur Begrifflichkeit »Auftraggeberinnen/Adressatinnen/Klientinnen« s. Ritscher 2002a.) Langfristig verspricht diese Entwicklung eine gewandelte Identität der Fachleute und Organisationen. Aber auch Widerstände gegen diese Bewegung sind nützlich, weil sie einer Rückbesinnung auf Bewahrenswertes aus der Zeit vor der Entwicklung des systemischen Ansatzes dienen.
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