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Raw Blame History

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 95 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Der Erstkontakt mit Klienten und Klientinnen im Rahmen der öffentlichen Jugendhilfe

sammenhänge, die in die Krise und schließlich zu ihrer Eskalation führten. • Eine anklagende Haltung scheint mir, wie bereits oben gesagt, wenig förderlich für die Entwicklung einer hilfreichen Kooperation von Eltern und Jugendhilfe. Vielmehr sollte nach gemeinsamen Möglichkeiten des Verstehens gesucht werden, damit sich Eltern am Ende selber besser verstehen lernen. Ich sehe in den Auslösern familiärer Krisen in der Regel Situationen der Hilf- und Ratlosigkeit und der Überforderung. Es kommt immer vieles zusammen. • Der Spannung in der Familie sowie der Verzweiflung und Wut, die sich aufgestaut und schließlich (wahrscheinlich zum wiederholten Male) entladen hat, könnte ich mit der Frage nach Enttäuschungen begegnen. Die Wurzeln familiären Geschehens sehe ich in der Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und Loyalität. Zur Aufrechterhaltung familiärer Bindung und familiären Gleichgewichts werden oft auf Kosten aller, auch und gerade auf Kosten der Kinder, hohe Preise bezahlt. • Die durchgehende Haltung der Jugendhilfe sollte nach meiner Überzeugung nicht von der Suche nach dem Schuldigen oder dem Täter bestimmt sein (dies ist der Zuständigkeitsbereich der Strafverfolgung). Die Fokussierung auf einen Schuldigen oder eine Schuldige verengt den Blick auf die Tat und reißt sie aus dem familiären und lebensgeschichtlichen Zusammenhang. Ich hielte ein solches Vorgehen familiendynamisch gesehen zudem für ungerecht. Es löst Gegenwehr aus und führt zu Konflikten zwischen Familie und Jugendhilfe, die für die Entwicklung der Hilfe für alle Beteiligten nicht förderlich sind. • Beim Erstkontakt mit Familien gehe ich grundsätzlich davon aus, dass die Eltern selber wissen, was in ihrem familiären Zusammenleben nicht glückt und was an ihrem Verhalten den jeweils anderen, insbesondere den Kindern gegenüber nicht förderlich ist. (Dabei kann ich allerdings feststellen, dass manchen insbesondere sehr jungen Eltern elementares Wissen über kindgemäße Erwartungen und kindgemäßes Verhalten fehlt. In diesen Familien sind Schulung und Belehrung angezeigt.) Immer aber geht es mir darum, die Kindperspektive einzubringen mit dem Ziel, Elternverantwortung zu sensibilisieren und zu stärken.

In diesen Gesichtspunkten erkenne ich Grundelemente, welche die Jugendhilfe durchziehen und die Haltung bereits bei jedem Erstkontakt bestimmen sollten. Leichter durchzuhalten ist dies selbstverständlich in den Fällen, in denen die Fremdmeldung keine derart hohe Dringlichkeit nahe gelegt 95