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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 58 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Beate Tenhaken

  1. Abschließende Bewertung Durch das Zusammenspiel aller Faktoren kann ein Fallverstehen prozesshaft gelingen und festgelegt werden, was getan werden muss, damit die vereinbarten Hilfeziele erreicht werden.Die Jugendhilfe braucht abgesicherte und transparente Verfahren, Diagnoseinstrumente unterschiedlichster Art zur Informationssammlung und -auswertung sowie den permanenten Dialog aller Beteiligten im Rahmen der Hilfeplanung. Das gesamte Verfahren in Greven, von der Antragstellung bis zur Bewilligung und der dann durch den Hilfeplan eingeleiteten Durchführung der Hilfe, dient allen Beteiligen, geschilderte Problemlagen besser zu verstehen. Das Verfahren lebt vom Dialog und den unterschiedlichen Sichtweisen der Beteiligten. Es gibt in der Jugendhilfe nicht nur die »Eigensicht« der Familie und die »Expertensicht« der öffentlichen bzw. freien Jugendhilfe. Wichtig ist das Zusammenspiel der beiden Perspektiven. Dies wird dadurch gewährleistet, dass der Familie die Ergebnisse der Beratungen im Jugendamt und die Angebote des Fachgremiums erläutert werden und ihr darauf bezogener Kommentar als wichtiger Beitrag zum Fallverstehen gewürdigt wird. So findet ein wichtiger Austausch der Problemsichten, der Ideen betreffend die Bedingungen bzw. Ursachen der Krise und eine beidseitige Einschätzung der Ressourcen statt. Durch die Schilderung der »Außensicht« und der professionellen Einschätzung hinsichtlich der Ursachen und Lösungschancen des Problems beginnt das »gemeinsame Handeln« (vgl. Müller 1993). Das Verfahren ist der Beginn eines gemeinsamen Prozesses, das Problem und mögliche Neuorientierungen zu verstehen. Die »Expertensicht« entfällt also nicht, wird aber mit der Familie besprochen und eventuell modifiziert. Die Familie hat letztlich die Entscheidung über das zu ihr passende Angebot und wird dadurch schon in der wichtigen Phase der Abklärung zum einflussreichen Partner im Hilfeprozess. Sie fühlt sich ernst genommen, ist erstaunt, wie viele Gedanken sich andere machen, und hat das Gefühl, gut über die jeweiligen Schritte informiert zu sein und Einfluss nehmen zu können. Ein Fall ist nicht erst dann gut verstanden, wenn ein »Experte« etwas verstanden hat. Ein Fall ist dann gut verstanden, wenn die Familienmitglieder und die Fachkräfte im Bewusstsein ihrer unterschiedlichen Positionen (Selbstdeutung der Familienmitglieder und profes58