33 lines
2.8 KiB
Markdown
33 lines
2.8 KiB
Markdown
WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 43 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
|
||
|
||
1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe – Eine Skizze
|
||
|
||
tät verweigert, und ihm ist entgegenzuhalten: Manchmal ist auch
|
||
mehr und kostenintensivere Hilfe günstiger für die Krisenbewältigung bei Kindern und ihren Familien. Und diese Aufgabe ist der normative Bezugspunkt jeder Jugendhilfe, der sich langfristig auch ökonomisch lohnt.
|
||
• Jugendhilfe sollte als »lernende Organisation« gegenüber neuen Methoden und Verfahren aufgeschlossen sein, weil sie möglicherweise
|
||
Spaß, Interesse, Neugier und Entwicklungsmotivation der Mitarbeiterinnen fördern, was ja anerkanntermaßen ein wichtiges Kriterium
|
||
für Erfolg ist.
|
||
• Neue Kooperationsformen sind denkbar, z. B. Entwicklungsprojekte,
|
||
die von Hochschulen und Jugendhilfepraxis gemeinsam getragen
|
||
und finanziert werden. Auch Formen der Kooperation zwischen Familientherapieinstituten und Kommunen sind zwischenzeitlich erfolgreich etabliert worden. Vorbildcharakter hat hier die Zusammenarbeit zwischen dem Kontext-Institut von Marie-Luise Conen, Jürgen
|
||
Linke vom Berliner Institut für Familientherapie und der Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, durch welche die Aufsuchende Familientherapie in Berlin als Hilfe zur Erziehung nach § 27
|
||
KJHG etabliert wurde. Oder die Zusammenarbeit des Wenger Mühle
|
||
Centrums (WMC) von Gisal Wnuk-Gette und Werner Wnuk mit dem
|
||
Ortenaukreis (ab 1985) und ab ca. 1990 mit dem Landkreis Biberach.
|
||
Hier wurde die ASD-Arbeit mit therapeutischer Familiensozialarbeit
|
||
verknüpft, die von im WMC ausgebildeten Familientherapeutinnen
|
||
durchgeführt wurde. Dafür wurden regelmäßige und verpflichtende
|
||
gemeinsame Treffen zwischen den ASD-Mitarbeiterinnen und der
|
||
Gruppe der Familientherapeutinnen eingerichtet, in denen neue Fälle im Hinblick auf die Möglichkeit einer Familientherapie und laufende Fälle begleitend besprochen und supervidiert werden (WnukGette u. Wnuk 1997).
|
||
• Der Familienbezug der Jugendhilfe kann nicht in dem Dogma enden,
|
||
dass eine Fremdunterbringung in jedem Fall vermieden werden
|
||
kann. Auch eine Pflegefamilie ist nicht immer die beste Option für ein
|
||
Kind, das in seiner Herkunftsfamilie zurzeit nicht leben kann oder
|
||
darf oder will. Manchmal notwendige Fremdunterbringungen sollten
|
||
aber immer mit einer Zeitstruktur verknüpft werden. Genaue Zielsetzungen und Aufträge im Hilfeplan könne helfen, den bisherigen
|
||
Hilfeprozess nach einer bestimmten Zeit zu evaluieren und zu prüfen, ob eine weitere Fremdunterbringung aus fachlicher Sicht und
|
||
aus der Sicht der betroffenen Familie weiterhin notwendig erscheint.
|
||
Leider häufen sich in letzter Zeit Beendigungen von familienersetzenden Maßnahmen nicht aus fachlichen, sondern aus rein finanziellen Gründen. Es soll auch schon Landkreise geben, in denen der
|
||
|
||
43
|