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322
Menschen zu minimieren. Doch wächst derzeit die Kluft zwischen
Arm und Reich und zwischen Ausgegrenzten und Menschen, die
scheinbar dazugehören. Das Anwachsen von Gewalt, sei es körperliche, sexuelle oder auch strukturelle Gewalt gegen benachteiligte
Menschen in extremen Ausmaßen gegen flüchtende Menschen ,
wird billigend in Kauf genommen. Not wird in die Außenbezirke der
Städte verlagert oder wie in Haiti unsichtbar gemacht (Maurer 2020).
Leid wird ausgeblendet, Mitgefühl durch anonyme Strukturen bekämpft. Doch Widerstandszeichen gibt es auch, z. B. in Chile, Haiti,
Libanon, die Geflüchteten aus Palästina und Syrien: „Selbst für Zuschauende vermittelt sich die Erfahrung der Selbstbemächtigung.“
(Maurer 2019, S. 8)
Und was hat das alles mit Traumapädagogik zu tun? Ich bin
davon überzeugt, dass pädagogische Anstrengungen eine Traumabearbeitung und die Korrektur von beeinträchtigenden Auswirkungen wesentlich unterstützen können. Jana und Philipp
können von Pädagog*innen und allen anderen Begleiter*innen eine
Unterstützung bei den beiden wesentlichen Aufgaben erhalten, die
traumatisierte Menschen haben: der Lebensgeschichte einen Sinn zu
geben und im Hier und Heute in Beziehungen leben zu lernen. Sie
können zum Subjekt ihres Lebens werden. Wir dürfen nicht übersehen, so Viktor Frankl: „[…] dass der Mensch (sich) letzten Endes
nur in dem Maße verwirklichen kann, in dem er einen Sinn erfüllt
draußen in der Welt, aber nicht in sich selbst.“ (2012, S. 17) Und
spätestens hier zeigt sich, dass der Begriff Traumapädagogik keine
Engführung sein darf. Viele der in Absatz B Traumainformierte Begleitung benannten Inhalte gehen weit darüber hinaus, sie nutzen
Menschen an sich. Es stellt sich schlicht die gemeinsame Frage gemeinsam Expert*innen und Profis wie wollen wir leben gerade
in diesen Zeiten.
Im Vorwort zur Neuausgabe der Dialektik der Aufklärung bemerken Horkheimer und Adorno: „Kritisches Denken, das auch
vor dem Fortschritt nicht innehält, verlangt heute Parteinahme für
die Residuen von Freiheit, für Tendenzen zur realen Humanität,
selbst wenn sie angesichts des großen historischen Zuges ohnmächtig scheinen.“ (Horkheimer/Adorno 1988). Tendenzen zur