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Der Umgang mit Jungen und Mädchen, die sexuell übergriffig
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werden, unterscheidet sich nach Alter und Handlungsmuster. Klar
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ist, dass reagiert werden muss, ‚es‘ wächst sich nicht aus:
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Der fünfjährige Michael nötigt die vierjährige Susanne, seinen Penis in den
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Mund zu nehmen und sich dann auf ihn zu legen. Michael arbeitet dabei mit
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einem Geheimnis und einer Drohung. Die Erzieherin, die die beiden ‚erwischt‘,
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setzt Grenzen und kümmert sich um Susanne. Susanne bekommt weitergehende
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Hilfe. Auch Michael wird unterstützt, er kann in der Therapie erzählen, dass er
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das beim Papa auch so machen musste. Der Eindruck entsteht, dass er versteht,
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was er Susanne angetan hat.
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Die Interventionen bei aggressiven sexuellen Verhaltensweisen
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müssen das Lebensalter des Jungen oder Mädchens berücksichtigen.
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Jüngere Kinder sind emotional eher mit sich selbst in Kontakt. Sie
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verstehen die Situation des Opfers eher. Deshalb kann Opferempathie
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bei jüngeren Kindern durchaus anfängliches Ziel pädagogischer und
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therapeutischer Interventionen sein. In der akuten Situation besteht die Möglichkeit, bei dem grenzüberschreitenden Kind eigene
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Opferanteile zu thematisieren und eine Verbindung herzustellen, da
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das ursprüngliche Trauma eher zugänglich ist. In der Hilfeplanung
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darf Michaels Verhalten nicht verschwinden. Hypothesen zu den
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Ursachen seines Verhaltens und die Möglichkeiten der Korrektur
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sind notwendig, um eine Verfestigung des sexuell übergriffigen Verhaltens zu verhindern:
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Philipp zwingt den elfjährigen Benn zu Oralverkehr. Damit konfrontiert, gibt
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er zu, dass er „Scheiß gebaut hat.“ Weil er kein Vorbild sei, tritt er vom Heimrat
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zurück. Die Therapeutin des Heimes kümmert sich um Benn. Aber Philipp kann
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oder will nicht nachvollziehen, dass die sexuellen Übergriffe den anderen Jungen
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demütigen und nachhaltig schaden. Mit der Zeit tritt eine trügerische Ruhe in
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der Wohngruppe ein, die sexuellen Übergriffe werden nicht mehr thematisiert.
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Aber sind sie auch verschwunden?
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Bei jugendlichen Misshandlern und Misshandlerinnen sind
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eigene Opferanteile im Gegensatz zu jüngeren Kindern eher abgespalten. Und sie haben Täterstrukturen – mehr oder weniger
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