2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/208.md

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208
Die Erfahrung von Markus, sein Vater ist mächtig, hindert ihn,
der Pädagogin zu vertrauen. Er glaubt nicht, dass sie ihn schützen
kann, es steht eine dritte Person zwischen den beiden. „Diese dritte
Person ist der Täter […]“ (Lister, zit. n. Hermann 1993, S. 188).
Die Beschreibung da steht jemand zwischen uns, vielleicht ist das
der Vater hilft Markus, die Situation zu verstehen und seine Angst
zu formulieren. Weil diese alten Beziehungsinhalte als heute noch
wirkend sichtbar werden, kann Markus dies wahrnehmen und offen
für neue Erfahrungen werden.
Die 14-jährige Janina lebt seit elf Monaten in einer Jugendwohngruppe. Im Alter
zwischen sechs und neun wurde Janina von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht.
Er manipulierte sie, indem er sie zu seiner Prinzessin ernannte, ihr Zuwendung,
Wertschätzung und Lob erteilte und für die Wahrung des kleinen Geheimnisses
größere Geschenke machte, gegen Ende der Missbrauchsphase auch drohte. Als
Janina Tischabräumdienst hat und Erzieher Bernd in die Küche kommt, um zu
kontrollieren, schmiegt sie sich an ihn, klammert ihre Arme um seinen Hals und
versucht, ihn zu küssen. Als Bernd sich aus ihrem Griff befreien kann, macht
sie ein unglückliches Gesicht und fragt, warum er eigentlich nicht mit ihr auf
ihr Zimmer gehen wolle.
Janina zeigt durch dieses Verhalten, was ihr zugestoßen ist. Damals
erhielt sie ausschließlich im sexuellen Gewaltkontext Zuwendung.
Einsamkeit und Verwirrung werden spürbar. Diese Gefühle, die
jetzt reaktiviert werden, sind den schlimmen Erfahrungen damals
geschuldet. Janina braucht die Bestätigung, dass ihre Gefühle richtig
sind, sie ist nicht verrückt. Die Gefühle und ihre Verhaltensweisen
sind eine normale Reaktion auf eine extreme Umwelt.
Die Übertragung von sexualisierten Beziehungserfahrungen
ist für Pädagogen und Pädagoginnen nicht einfach zu bewältigen.
So kann es geschehen, dass diese sich brüsk abwenden, vielleicht
aus Angst in eine Täterrolle zu rutschen. Die Beziehung wird abgebrochen. Janina braucht vor allem eins: Bernd bleibt in Beziehung,
er redet mit ihr, sie hat Wert ohne sexuelle Angebote. Die Beziehung darf nicht abgebrochen werden. Wenn die Pädagog*innen
die Empfindungen von Anna, Markus und Janina und ihre eigenen