2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/103.md

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103
die Körperlichkeit der Bewältigung. Wider die Individualisierung
traumatischer Erfahrungen gerichtete Diskurse erweitern den Blick
auf eine gesellschaftlich eingebettete Unterstützung. Sie wenden
sich auch gegen die Pathologisierung der Auswirkungen herausfordernder Lebensumstände, die den Menschen die Würde nimmt.
Und es bleibt die Frage, ob die Idealisierung einer objektiven Wissenschaft und die Begeisterung für neue schnelle effiziente Therapien
nicht eher die Nichtanerkennung des Schmerzes fördern, weil die
Leiden der Menschen uns zu überfordern scheinen. Vor allem wird
immer deutlicher, wie sehr es einer Veränderung gesellschaftlicher
Werte und Normen bedarf aus meiner Sicht auch eine Rückerinnerung an die 1970er Jahre, in denen Solidarität, Mitgefühl und
emanzipatorische Werte als Teil der Menschwerdung, also auch der
Bewältigung herausfordernder Lebensumstände, begriffen wurden.
Der gesellschaftliche Blick auf den Traumabegriff helfe, ein Gegengewicht gegen die Hegemonisierung einer Medikalisierung von Leid
zu bilden (Jäckle/Wuttig/Fuchs 2017).
Wenn auch klare Prognosen unmöglich sind und das Konzept
der fachlichen Bescheidenheit Anwendung finden muss, hat Jugendhilfe die Verantwortung, die für das Mädchen und den Jungen
weniger schädliche Alternative zu finden. Kinder besitzen erstaunliche
Kräfte, sich zu entwickeln. Sie brauchen Verbündete, die sie stärken,
Verbündete, die sie schützen, und Verbündete, die sie auf ihrem Weg
in eine selbstbestimmte Zukunft begleiten.