31 lines
2.1 KiB
Markdown
31 lines
2.1 KiB
Markdown
94
|
||
|
||
werden frühere Konzeptionen, in deren Mittelpunkt Definitionen
|
||
wie akute Traumata, chronische traumatische Umstände und
|
||
Trauma-Typ I und -Typ II standen, ergänzt. Das Konzept rückt die
|
||
wechselseitigen Beziehungen zwischen Trauma und Entwicklung
|
||
ins Zentrum, bezieht sich auf das gesamte Spektrum traumatischer
|
||
Belastungen und gleicht auch die Beschränkungen der Diagnose
|
||
PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) aus. Mit der PTBS
|
||
sei das universelle Phänomen von Schrecken und Gelähmtheit zu
|
||
einer völlig sterilen medizinischen ‚Störung‘ geworden (vgl. Levine
|
||
2010, S. 56) Die Diagnose PTBS ist nicht entwicklungssensibel
|
||
und so verwundert es nicht, dass die meisten Kinder aus herausfordernden Lebensumständen die diagnostischen Kriterien einer
|
||
PTBS nicht erfüllen. Eine neue diagnostische Betrachtungsweise,
|
||
die die entwicklungsbezogenen Aspekte komplex traumatisierter
|
||
Kinder berücksichtigt, die Developmental Trauma Disorder, Entwicklungstrauma-Störung (ETS) (van der Kolk 2009), soll dies
|
||
ändern. Die Anerkennung dieser Diagnose würde bedeuten, dass
|
||
sich Forschung und Behandlung „[…] auf die allgegenwärtige biologische und emotionale Dysregulation, die völlig gescheiterte oder
|
||
stark gestörte Bindung, auf Probleme hinsichtlich der Fähigkeit zu
|
||
fokussieren und sich zu konzentrieren und auf das sehr beeinträchtigte Empfinden persönlicher Identität und eigener Kompetenz
|
||
[…]“ (van der Kolk 2015, S. 203) konzentrieren würden. Obwohl
|
||
sich das pathologisierend liest, ist es doch ein Blick, der die Begleitung der Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen verbessern könnte und den Blick auf langfristige Auswirkungen fokussiert.
|
||
|
||
Die Körperlichkeit des Traumas
|
||
|
||
„Das Trauma liegt nicht im Ereignis; es ist vielmehr so, dass sich
|
||
das Trauma im Nervensystem befindet.“ (Levine/Frederick 1998:
|
||
Trauma – Heilung) Mit dieser Aussage über die Körperlichkeit
|
||
des Traumas beeinflusst Peter Levine eine neue Sichtweise zum
|
||
Verstehen traumatischer Symptome. Traumata führen zu physiologischen Veränderungen, die sich auf das Alarmsystem des
|