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Raw Blame History

74 das Jugendamt einen Kontakt zur Mutter, die wiederum mit ihrer Herkunftsfamilie, deren Beteiligung an dem massiven Missbrauch der Kinder letzten Endes ungeklärt bleibt, in Verbindung steht. Maria kann sich vor den negativen Erinnerungen und Bedrohungen nicht schützen. Viel später erzählt sie, dass sie bei dem Besuch wie betäubt war. Sie spürte, trotz des sehr bedrohlichen Umfeldes, keine Angst. Sie war nicht in der Lage, über die Bedrohung zu reden und Hilfe von der sie weiß, dass sie sie bekommen hätte zu holen. Maria macht einen Suizidversuch mit allen möglichen greifbaren Tabletten.

Eine große Anzahl von Untersuchungen bestätigen, dass Menschen auf belastende Erinnerungen mit signifikant erhöhter Herzfrequenz, erhöhter Leitfähigkeit der Haut und erhöhtem Blutdruck reagieren. Die exzessive Stimulation des zentralen Nervensystems zum Zeitpunkt der Traumatisierung kann zu permanenten neuronalen Veränderungen wie z. B. dauerhafte und diffuse Ängste führen. Chronische physiologische Erregung beeinträchtigt die Fähigkeit, Emotionen wie z. B. Angst als Signal zu nutzen, um sinnvolle Handlungen ausführen zu können. Auch die Unterscheidungsfähigkeit von relevanten und irrelevanten Stimuli ist beeinträchtigt. Affektiv neutrale, aber existenziell relevante Geschehnisse werden weniger beachtet. Als Konsequenz dieses relativen Mangels an Reaktionsbereitschaft benötigen traumatisierte Kinder mehr Anstrengung, um auf gewöhnliche Erlebnisse zu reagieren, ihre Reaktionszeit ist verzögert, alles ist anstrengender. Der Verlust der normalen Synchronisation der elektrischen Aktivität der verschiedenen kortikalen Gebiete führt zu einer Unterbrechung der Zusammenarbeit von rechter und linker Hirnhemisphäre. Die rechte Gehirnhälfte dient der prozesshaften Wahrnehmung, Gefühlsgenerierung, emotionalen Kommunikation und ganzheitlichen Wahrnehmungsabbildung, die linke Gehirnhälfte ist zuständig für die Speicherung von Informationen, die bei guter Zusammenarbeit Worte und Sprache erzeugt. Störungen im EEG der linken Hemisphäre sind mit einer Zunahme psychotraumatischer Lebenserfahrungen besonders auffällig (van der Kolk u. a. 2000, S. 195 ff.). Doch strukturelle Veränderungen im Gehirn sind bis ins hohe Lebensalter möglich, eine gute Chance für Kinder wie Philipp und Jana.