2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/042.md

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42
1.4
Die häusliche Gewalt
Häusliche Gewalt bezeichnet die Gewalt zwischen erwachsenen
Bezugspersonen, meist Männern gegen Frauen. Sind Mütter der
Gewalt durch den Partner ausgesetzt, so sind in bis zu 90 % der Fälle
die Kinder während der Gewalttat anwesend oder im Nebenraum,
ein Drittel der Kinder werden ebenfalls körperlich oder sexuell
durch den Partner der Mutter misshandelt (Hanmer 1989, zit. n.
Kavemann 2000, S. 109). Die Mutter-Kind-Beziehung zu Kindern,
die durch eine Vergewaltigung gezeugt wurden, bleibt über Jahre
stark beeinträchtigt, insbesondere die Jungen werden negativ mit
dem Täter und der Tat verknüpft.
Das Miterleben dieser Gewalt hinterlässt Spuren in der Seele der
Kinder. So verzichten Kinder darauf, ihre Gefühle auszudrücken,
um die Mutter nicht noch mehr zu belasten. Sie übernehmen die
Verantwortung und fühlen sich schuldig, da sie in die Vorfälle als
Schlichter, Verbündete, Geschlagene oder Schiedsrichter hineingezogen werden. Sie haben Angst um die Mutter, Angst um sich
und Angst vor der Zukunft. Vor allem in den vielen Fällen, in denen
Kinder über lange Zeit der chronischen Gewalt des Vaters gegen
die Mutter ausgesetzt waren, ist mit traumatischen Schädigungen
zu rechnen. Zudem wurden unspezifische Auswirkungen wie
Schlafstörungen, Aggressivität und Entwicklungsverzögerungen
beobachtet.
Formen der Gewalt aus Sicht der Kinder
Zeugung durch eine Vergewaltigung
Misshandlung wegen der Schwangerschaft
Direkte Gewalterfahrungen als Mitgeschlagene
Verlust von mütterlicher Kompetenz und Sicherheit
(Drohender) Verlust der Mutter durch Weggang, Selbstmord und Mord
Bedrohung von Geschwistern
Mittel zur Erpressung und Entscheidungsgrundlage, diese Kinder sind
eigentlich Geiseln
Stütze der misshandelten Mutter