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Die Vernachlässigung
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Als die häufigste Form von Kindesmisshandlung mit potenziell
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schwerwiegenden Konsequenzen benennen Jugendämter die
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Vernachlässigung. In Deutschland werden 10–12 % aller Kinder
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klinisch relevant durch ihre Eltern abgelehnt oder vernachlässigt
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(Engfer 2005). Eine Untersuchung von bis zu dreijährigen Kindern
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in traditionellen Heimen des Landes Brandenburg (n = 53) weist
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mit 62 % Vernachlässigung als häufigsten Einweisungsgrund bei
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kleinen Kindern aus (Hédervári 1996).4
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Wir sprechen von Vernachlässigung, wenn „[…] über längere
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Zeit bestimmte Versorgungsleistungen materieller, emotionaler und
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kognitiver Art ausbleiben […]“ (Schone et al. 1997, S. 19). „Diese
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Unterlassung kann aktiv oder passiv (unbewusst) aufgrund unzureichender Einsicht oder unzureichenden Wissens erfolgen“, so
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die Definition des Instituts für Soziale Arbeit e.V. (ISA) in Münster.
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Die Dynamik der Vernachlässigung unterscheidet sich von der
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Dynamik körperlicher und sexueller Gewalt. Kindern, die sexuelle
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oder körperliche Gewalt erdulden müssen, wird Aufmerksamkeit der Eltern zuteil, allerdings unangemessen, exzessiv und zerstörerisch. Vernachlässigte Kinder werden nicht wahrgenommen,
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sie erhalten kaum Anregungen. Sie werden körperlich durch unzureichende Pflege und Kleidung, mangelnde Ernährung und
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gesundheitliche Fürsorge, Unterlassen ärztlicher Behandlung und
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unzureichenden Schutz vor Risiken und Gefahren vernachlässigt.
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Sie werden emotional durch Mangel an Aufmerksamkeit und
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Zuwendung, nicht hinreichendes oder ständig wechselndes Beziehungsangebot, nicht ausreichende Anregung und Förderung
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motorischer, geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten und
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einem Mangel an Entwicklungsimpulsen und schulischer Förderung
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vernachlässigt. Die Eltern nehmen selten körperlichen Kontakt mit
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den Kindern auf. Ihre Signale bleiben unbeachtet. Auf emotionale
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und körperliche Zuwendung und auf Ansprache warten sie vergebens. Wenn es in einem typischen Vernachlässigungsszenario
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Auch die Untersuchung Münder/Mutke/Schone (2000) bestätigt dies; zwei
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Drittel dieser Kinder sind von Vernachlässigung betroffen.
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