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Psychosoziale Traumaarbeit zu »Risiken und Nebenwirkungen«
Psychosoziale Traumaarbeit
zu »Risiken und Nebenwirkungen«
Traumatisierung infolge von Gewalt setzt außer in den Betroffenen selbst auch in
deren sozialem Umfeld eine Dynamik in Gang, die mit Risiken verbunden sein
kann. Im Rahmen von Supervision oder auch im Forschungskontext (Trauma &
Gewalt, S. 2233) wird auf folgende Risiken psychosozialer Traumaarbeit hingewiesen:
• Eigene Traumatisierung durch das Miterleben von Gewalt (vgl. DSM-5, deutsch
von Falkai/Wittchen 2014). Ein Beispiel aus meiner Supervisionstätigkeit: Herr
Johansen arbeitet als Heilpädagoge in einer Kriseneinrichtung für junge Menschen und erlebt, dass zwei Jugendliche sich gegenseitig mit Messern schwer
verletzten.
• Eigene Traumatisierung durch selbst erlittene Gewalt im beruflichen Kontext.
Auch hier ein Beispiel: Die Sozialpädagogin Frau Berlinga betreute Jugendliche im
familiären Rahmen (Erziehungsstelle). Sie beendete diese Tätigkeit nach einer eskalierenden Konfliktsituation, in welcher der 15-jährige Louis ihr zunächst verbal
drohend gegenübertrat und sie dann im weiteren Verlauf tätlich angriff.
• Burnout infolge von Arbeitsüberlastung
• Sekundäre Traumatisierung infolge sekundärer Traumaexposition
Allen Risiken gemeinsam ist, dass sie die professionelle sowie die private Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Direkte Traumatisierung von Professionellen durch Grenzverletzungen oder deren Beobachtung stellen ein bekanntes und bedeutsames Thema dar, das mit Scham, Hilflosigkeit und Tabuisierung
verbunden ist. Der Fokus meiner Ausführungen ist an dieser Stelle allerdings
anders ausgerichtet. Es geht um die subtilen Folgen von Trauma und Gewalt:
nicht direkt sichtbar, aber dennoch verunsichernd spürbar. Im Zentrum stehen
folgende Fragen:
• Kann die Begegnung mit den Folgen von existenziellem Leid dazu führen, dass
Bewältigungsmechanismen von Kolleg*innen überfordert werden?
• Was kann dazu beitragen, dass Mitarbeiter*innen, die traumatisierte junge
Menschen begleiten, trotz sekundärer Traumaexposition gesund bleiben?
In der Praxis wird dann, wenn sekundäre Traumaexposition zu Überforderung geführt hat, zumeist von Burnout gesprochen. Wenn vorhandene Ressourcen durch
dauerhaften extremen beruflichen Stress vollständig erschöpft werden, kann es geschehen, dass Menschen »ausbrennen«. »Burnout ist nach Angaben der Techniker
Krankenkasse (TKK) für das Fehlen von 40 000 Arbeitskräften pro Jahr in Deutschland verantwortlich« (Trauma & Gewalt, S. 8). Engagierte Kolleg*innen, die vielleicht einmal für die besonderen Herausforderungen ihres Arbeitsfeldes »brannten«,
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