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Die Pädagogik der Selbstbemächtigung
nen am unteren Rand der Gesellschaft zu verlassen, aktualisieren die Aussage des
Sozialpsychologen Brückner, dass »sich die bürgerliche Gesellschaft als ganze über
die fortwährende Ausgrenzung von Teilbevölkerungen konstituiert hat« (Brückner 1983, S. 208).
Die ökonomischen Veränderungen betreffen immer breitere Bevölkerungskreise, verändern ihr Gefühl von Sicherheit und damit die Möglichkeiten solidarischen Handelns. Die Ökonomisierung der menschlichen Existenz schränkt die
Position des Menschen als Subjekt seines Lebens drastisch ein. So ist »das Sozialisationsregime der zweiten Moderne durch Entgrenzungen und die Chance und
den Zwang zur Selbstorganisation charakterisiert« (Böhnisch/Lenz/Schröer 2009,
S. 10). Schon die Agenda 2010 war von einem Menschenbild geprägt, das weder
Krankheit noch längere Arbeitsunfähigkeit duldet. Wer mit seiner Seele nicht hinterherkommt, wird ausgegrenzt. Die Verwundbareren bleiben auf der Strecke.
Selbstbemächtigung zwischen Selbstsorge und
Selbstoptimierung
Über die Wiederaneignung der Autonomie in der Auseinandersetzung mit traumatischen Erinnerungsebenen und gesellschaftlichen Engführungen bedeutet
Selbstbemächtigung das immerwährende Ringen um ein soweit als möglich
selbstbestimmtes Leben und erfordert ein hohes Maß an Selbstsorge. Gerade die
ökonomischen Verhältnisse haben einen Resilienzdiskurs befördert, der Selbstbemächtigung eher hindert. An sich ist Resilienz, gemeint als Aufbau von Schutzmechanismen, vernünftig. Das heutige Resilienzkonzept beinhaltet hingegen die Optimierung des Selbst und die Anpassung an die herrschenden Verhältnisse als
fremdbestimmte Selbstoptimierung.
Das den Anliegen der Selbstbemächtigung angemessenere Konzept der Selbstsorge entstand in jener Zeit der Geburt der abendländischen Pädagogik in der
griechisch-römischen Welt. Selbstsorge bedeutete »der Wille ein moralisches
Subjekt zu sein, und die Suche nach einer Ethik der Existenz waren in der Antike
in der Hauptsache das Bemühen, seine Freiheit zu behaupten und seinem eigenen
Leben eine bestimmte Form zu geben, in der man sich anerkennen und von den
anderen anerkannt werden konnte« (Foucault 2013, S. 282). Noch in den Jahren
sozialstaatlicher Stabilität, eines kurzzeitig recht gut funktionierenden »Sozialstaatskapitalismus« schloss die Sorge um sich selbst die Selbstsorgen die Sorge
um andere Menschen als eine Form des fürsorglichen Handelns auf ethischer
Grundlage und in dem Wissen um den Wert von Beziehungen in unterschiedlichsten Strukturen ein (Böhnisch/Schröer 2007, S. 47ff.). Mit der Entgrenzung
des Sozialstaates können sich die Menschen nicht mehr auf dieses Prinzip als
Bestandteil staatlicher Politik und gemeinsamer Übereinkunft verlassen und »so