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Nutzen der traumapädagogischen Haltungen
psychotraumatologische Forschung eher behindert. Vermutlich war es erst in einer selbst weniger betroffenen Generation mit dem Wissen um die traumatisierte
Eltern- und Großelterngeneration möglich, Traumatisierungen explizit zu benennen und zu beforschen, was jetzt in Zeiten, in denen unsere Gesellschaft wieder mit Kriegen und deren traumatischen Folgen konfrontiert wird, die Möglichkeit eröffnet, von Beginn an einen traumasensibleren Umgang mit diesen
schrecklichen Erfahrungen zu finden. Wissenswert in diesem Zusammenhang
ist, dass es gerade auch in sozialpädagogischen und psychotherapeutischen Kontexten eine Tendenz gab, traumatische Ereignisse in den Biografien der Kinder
und Jugendlichen nicht explizit zu benennen, auch wenn die biografischen und
psychosozialen Belastungen implizit immer im Raum standen. Historisch ist interessant, dass der Nationalsozialismus und die Folgen der kollektiven Traumatisierungen des Zweiten Weltkrieges dazu führten, dass viel Wissen und eine wertvolle Haltung, die heute im Zusammenhang mit einer Traumapädagogik eine
Renaissance erleben, vorübergehend an Bedeutung verloren (Dörr i. d. B.; Rothdeutsch-Granzer/Weiß i. d. B.). Es wird interessant sein, wie die aktuellen Entwicklungen mit vielen Kriegen und Menschen auf der Flucht sich auf unsere Gesellschaft, die psychotraumatologische Forschung, die Versorgung und die
Bereitschaft, die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen auswirken (Bürgin et al. 2020).
Traumafolgestörungen wurden bis zum Aufkommen der Traumapädagogik in
der Kinder- und Jugendhilfe viel zu wenig beachtet und werden auch heute noch
viel zu häufig übersehen. Es war und ist immer noch üblich, dass die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit traumatischen Erfahrungen gerne an
Psychotherapeut*innen abgegeben wird, und dass die Themen eigentlich aus der
Heimerziehung herausgehalten werden. Traumatisierung und das Schicksal der
Kinder und Jugendlichen werden oft nicht adäquat beachtet und verbalisiert. Es
ist ein großer Verdienst der Traumapädagogik (Weiß 2013), dass sie die traumatischen Belastungen der Kinder und Jugendlichen so explizit ins Zentrum des
Fallverständnisses rückt, die biografischen Belastungen eines Kindes oder Jugendlichen anerkennt und wertschätzt. Das macht Sinn, da Pädagogik auf Beziehung basiert, und die Beziehungsfähigkeit des Kindes/Jugendlichen durch die
traumatischen Erfahrungen geprägt ist. Schließlich sind auch fragmentierte
traumatische Erlebnisse ein Teil des Lebens der Betroffenen und müssen soweit
wie möglich kohärent in deren Biografien eingewebt werden (Schmid 2020/2024).
Dies kann bei schwer sequenziell traumatisierten Kindern und Jugendlichen
nicht ausschließlich in einer Therapie geschehen, sondern die Resilienz sollte
ganz gezielt lebensweltorientiert im Alltag und mit traumapädagogischen Projekten gefördert werden (Schmid 2020; Weiß 2013). Es ist wichtig, dass sich die
Biografie von Kindern und Jugendlichen mit einer Opfergeschichte in eine Bewältigungsgeschichte wandelt.