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Nutzen der traumapädagogischen Haltungen
Deshalb stellt sich die Frage der Versorgungsgerechtigkeit: Nach welchen Indikationskriterien wird entschieden, welche Kinder und Jugendlichen aufgenommen werden? Nach welchen Kriterien werden die traumapädagogischen Wohngruppen von den zuweisenden Behörden angefragt und die freien Plätze von den Institutionen vergeben? Letztlich bleibt auch die Frage, was mit den Abgewiesenen passiert. Gibt es Kinder und Jugendliche, die eine Heimkarriere absolvieren, welche durch die rechtzeitige Aufnahme in eine traumapädagogische Wohngruppe hätte verhindert werden können? Die Frage, nach welchen Indikationen Hilfen eingeleitet werden, ist deswegen eine ganz zentrale, welche in der sozialpädagogischen Forschung unbedingt weiter vertieft werden sollte (Friedrich/Schmid 2014; Oezdirek et al. 2024). Um der Versorgungsgerechtigkeit Genüge zu tun, wäre es natürlich wünschenswert, dass sich möglichst auch nicht auf Traumapädagogik spezialisierte Wohngruppen auf einen traumapädagogischen Weg begeben und dass die traumapädagogischen Haltungen und Aspekte dieser Konzepte auch in möglichst vielen Regelwohngruppen implementiert werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, besonders intensive Angebote spezifisch für Systemsprenger*innen in allgemeinen Wohngruppen zu entwickeln und vorzuhalten, um auch diese Kinder und Jugendliche, die Regelwohngruppen zumeist überfordern, dort halten zu können. Außerdem macht es Sinn, spezialisierte, besser ausgestaltete Wohngruppen zu haben, um die Traumapädagogik kontinuierlich weiterentwickeln zu können, und dort sozusagen mit der reinen Lehre weiterforschen und diese Konzepte weiter vorantreiben zu können (Gahleitner/Schmid 2014; Wiesinger et al. 2009). Trotzdem ist es eine ethisch heikle Frage, warum manche Kinder und Jugendliche intensivere, ihrem Bedarf angemessene Gruppen offeriert bekommen und anderen eben nicht – weil man ihren Bedarf nicht adäquat erkennt oder die Zahl der Plätze nicht ausreicht? Hieraus lassen sich mehrere Notwendigkeiten ableiten: einerseits, dass evidenzbasierte Kriterien für die passgenauere Zuweisung in der Jugendhilfe entwickelt werden sollten, was auch durch eine überregionale Bedarfsplanung und ein Verteilungssystem mit Intensivplätzen erleichtert werden könnte. Andererseits sollten mehr tragfähige traumapädagogische Wohngruppen, die den Standards der BAG entsprechen, aufgebaut und in ihrer Wirkung und Qualität evaluiert werden, um den hohen Bedarf zu decken (Schmid 2013). Gerade der kontinuierlichen Qualitätssicherung von traumapädagogischen Angeboten kommt eine große Bedeutung zu, um den Mehrwert dieser Angebote dokumentieren zu können (Schröder et al. 2013; Schmid et al. 2012; Schmid 2020, Schmid 2020/2024). Zudem sollten Strategien entwickelt werden, wie Aspekte von traumapädagogischen Konzepten und psychotraumatologischem Wissen auch in die pädagogische Arbeit von Regelgruppen eingebaut werden können, um in der Breite der Heimerziehung den Bedürfnissen der in der Regel hochbelasteten Kinder und